Mo., 17.11.2014

Brandstifter-Prozess: Samer S. sagt aus Aus Frust und Langweile im Dauer-Rausch

Münster - 

Zum ersten Mal seit Prozessbeginn hat Samer S. am Montag ausführlich vor dem Landgericht ausgesagt. Der 28-jährige Angeklagte äußerte sich ausführlich zu seinem Drogenkomsum. Den Vorwurf, in die Pkw-Brandserie verwickelt zu sein, wies er hingegen von sich.

Von Martin Kalitschke

32 Verhandlungstage hat er geschwiegen – von einigen kurzen, emotionalen Ausbrüchen abgesehen. Am Tag, an dem die Plädoyers gehalten werden sollen, überlegt es sich Samer S. plötzlich anders. Fast eine Stunde lang berichtet der 28-Jährige, der für die Pkw-Brandserie vom Sommer 2013 mitverantwortlich sein soll, von seinem jahrelangen Drogenkonsum.

Schnell stellt sich am Montag vor dem Landgericht heraus, dass die Plädoyers erneut verschoben werden müssen. Samer S. erklärt sich zu einem Gespräch mit einem psychiatrischen Gutachter bereit – nachdem er zuvor die Zusammenarbeit mit einem anderen Gutachter verweigert hatte. Dessen Einschätzung, dass Samer S. voll schuldfähig sei, wird damit nun noch einmal auf den Prüfstand gestellt.

Sachlich und ernst berichtet der Angeklagte, dass er nach seiner Haftentlassung 2012 in ein Loch gefallen sei. Samer S., der seit Jahren auf seine Abschiebung nach Jordanien wartet, darf nicht arbeiten, „ich nahm Drogen aus Langeweile und Frust“, berichtet er. „Ich stand morgens auf, hatte nichts zu tun, saß zu Hause. Rauchen, Sport, Freunde treffen, dann wieder eine rauchen, andere Leute treffen, Kokain “ – so habe in dieser Zeit sein Tagesablauf regelmäßig ausgesehen.

„Ich darf nicht einmal NRW verlassen, während meine Freunde in den Urlaub fahren, das ist doch deprimierend“, sagt S. „Ich soll abgeschoben werden, in ein Land, das ich nicht kenne. Jeden Tag nach dem Aufstehen dachte ich als Erstes daran, ohne Drogen konnte ich das nicht ertragen.“

Samer S. berichtet, dass er an jenen Stellen, an denen ihn die Polizei als Brandstifter vermutet, nicht Feuer gelegt, sondern Drogen konsumiert habe. „Was die Polizei erzählt, stimmt nicht“, versichert der Angeklagte.

Warum er nicht arbeiten darf und abgeschoben werden soll, dazu äußert sich der von den Behörden als Intensivstraftäter bezeichnete Mann nicht. Vor Gericht sieht er sich als Opfer – zu Taten, für die er verurteilt wurde, und Tatvorwürfen kaum ein Wort.

Der Prozess wird am kommenden Montag (8. September) fortgesetzt.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2882615?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F