So., 07.12.2014

Demolierte Lok am Haken Nach dem schweren Unfall am Bahnübergang in Roxel soll die Zugstrecke am Dienstag wieder frei sein

Die Regionalbahn wird mit dem Kran angehoben und dann auf Ersatzfahrgestelle zurück ins Gleis gehoben.

Die Regionalbahn wird mit dem Kran angehoben und dann auf Ersatzfahrgestelle zurück ins Gleis gehoben. Foto: hpe

Münster - 

Motorsägen knattern, Bäume stürzen um. Die Motoren der schweren Kranwagen heulen auf, als sich die Zwillingsreifen des Räumgerätes durch den morastigen Waldboden quälen. Schweißgeräte zischen und Feuerwehrleute gehen mit Löschgerät in Stellung.

Von Helmut P. Etzkorn

35 Stunden nach dem verheerenden Zusammenstoß zwischen einer Regionalbahn und einem Autotransporter beginnen Sonntagfrüh am Bahnübergang Bösenseller Straße in Roxel die Aufräum- und Bergungsarbeiten. In dem kleinen Tümpel am Hof Bertels-Böhner direkt neben dem Gleis liegt noch immer halb versunken das Vorderteil des Autotransporters. Ein Pkw hängt noch in der Halterung, ein zweiter Wagen liegt daneben. Vier Autos hat die Feuerwehr zusammen mit Abschlepp-Experten noch in der Nacht zum Samstag geborgen. Die teuren Pkw sind nicht mehr zu erkennen. „Demoliert, wie nach einem Frontalzusammenstoß mit Tempo 150“, meint ein Polizist. Feuerwehr-Einsatzleiter Andreas Falkenreck spricht „von den drei Leben“, die der Fahrer des Autotransporters wohl gehabt haben muss. Der 42-jährige überlebt mit schweren Verletzungen.

Warum der Mann am Freitag gegen 17.30 Uhr bei völliger Dunkelheit auf der kleinen Straße ausgerechnet am Bahnübergang mit seinem Transporter rangierte und warum er sich und seine wertvolle Fracht nicht schnell noch mit einer rasante Fahrt durch die sich schließenden Schranken in Sicherheit brachte, ist unklar.

Nachdem vier Bäume gefällt sind, haben die drei Autokräne genug Spielraum, um in Nähe des Zuges aufgestellt werden zu können. Für Andreas Greving, Juniorchef der Ahauser Autokran-Verleihs, ist es eine „Top-Ten-Bergung“. Die Mobilgeräte mit einer maximalen Hebekraft von 350 Tonnen haben schon Segelflugzeuge inklusive Piloten aus Bäumen geholt und brisante Gefahrgutlaster in Graben geborgen. „Aber einen Zug hatten wir noch nie“, sagt Greving. Mit 15 Mann und 14 Fahrzeugen ist er vor Ort und muss Präzisionsarbeit leisten. Weil noch immer ein Teil des Lastwagens unter dem aus dem Gleis gesprungenen Zug verkeilt ist, muss die Regionalbahn behutsam angehoben werden. Zerbricht sie dabei, wäre der Schaden noch größer. Die beiden Achsfahrgestelle unter dem Zug werden mit Schweißgeräten abgetrennt, der Kran hebt den Zug Millimeter für Millimeter zurück zum Gleis auf Ersatzfahrgestelle. Danach beginnt der Transport auf Tiefladern zur Bahnwerkstatt nach Münster.

Das Schalthaus am Übergang ist ebenfalls zerstört, deshalb wird die Bahn in den kommenden Wochen am Übergang Sicherheitsposten aufstellen. Heute wird das mit dem ausgelaufenen Dieseltreibstoff der Lok verseuchte Erdreich ausgekoffert. Anschließend müssen die gebrochenen Beton-Bahnschwellen erneuert und das verbogene Gleis gerichtet werden. Bahn-Notfallmanager Dieter Mört hofft, die Strecke zwischen Münster und Havixbeck bis Dienstag wieder einsatzklar zu bekommen.  



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