Mo., 12.10.2015

Besetztes Hauptzollamt Strafantrag gegen Besetzer

Ansichten aus dem Hauptzollamt: Die Besetzer haben eine Küche und einen Leseraum improvisiert.

Ansichten aus dem Hauptzollamt: Die Besetzer haben eine Küche und einen Leseraum improvisiert. Foto: bn/Collage: uwa

Münster - 

Der Strafantrag sollte am Montag bei der Polizei landen. Doch am Tag drei der Hausbesetzung im alten Hauptzollamt richten sich die Besetzer häuslich ein.

Von Günter Benning

Bunte Gemälde und 68er-Spruchgut zieren die Wände. Jugendliche mit Rastalocken und ältere Linke mit Wollmützen trollen durch die Flure des alten Hauptzollamtes an der Sonnenstraße – ihr „soziales Zentrum“. Während in der besetzten Ex-Behörde die Hausordnung erstellt wird („Rauchen verboten“), bereitet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die Grundlagen für eine Räumung des Gebäudes vor.

Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung, so eine Sprecherin, seien nicht zu rechtfertigen. Der Strafantrag solle noch am Montag gestellt werden. „Bei uns liegt noch nichts vor“, sagt eine Pressesprecherin der Polizei . Die Ordnungshüter werden erst nach einer Anzeige aktiv, „wir können ja nicht wissen, wen sie in ihr Haus lassen“.

Etwa 30 Besetzer halten sich am Montagnachmittag in den ehemaligen Büros der Zöllner auf. In einer kleinen Küche wird gespült, im Schraub-Regal liegt viel Gemüse. Man isst vegan, Graffiti sind bloß im Keller erlaubt („Wegen des Geruchs“), unsere Zeitung darf nur Fotos von der Küche und dem beschaulichen Leseraum schießen, in dem eine Rose in einer Flasche Hansa-Pils steckt.

„Es gibt das Bedürfnis, den Kontrollverlust, den man in der Situation eines Mieters hat, aufzubrechen. Hier entscheiden die Menschen, die im Haus sind.“ Tom sagt das, der wie alle hier nur einen Vornamen hat und für einen Tag die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Aus den Erfahrungen vergangener Besetzungen weiß er, dass irgendwann die Polizei räumen wird („meist zwischen 0 und sechs Uhr“). Was man dann machen wolle, weiß er nicht, „wir haben dazu noch keinen Beschluss“.

Der Bima kommt die Besetzung extrem ungelegen. Das Flüchtlingsthema binde alle Kräfte, sagt ein Mitarbeiter. Seit drei Jahren steht das Hauptzollamt leer. Seither habe das Amt den Bedarf verschiedener Bundeseinrichtungen geprüft, die Räume suchten. Bundespolizei, Zoll, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge standen auf der Liste. Ebenso wie das Westpreußische Landesmuseum. Dann stand man kurz davor, das Gebäude in hervorragender Lage zu vermarkten.

Doch die Flüchtlingswelle stoppte das. „Die Bima“, sagt eine Sprecherin in Bonn , „bietet im Moment alles an, was zur Verfügung steht.“ Bei 22 000 Liegenschaften eine Herkulesaufgabe. „Der Verkauf“, ergänzt sie, „wird erstmal hinten angestellt.“

Was wäre, wenn die Bima den Raum für eine Behörde bräuchte? Da ist Besetzer Tom deutlich: „Wir wollen ein soziales Zentrum – für immer. Ob das klappt, liegt an der Bima und der Polizei.“ 



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