Mi., 06.01.2016

Münsteraner an Silvester auf dem Weg von Köln Schlägerei und Diebstahl im Zug

Rappelvolle Züge: Wenn es hier Bedrohungssituationen gibt, rät die Bundespolizei dazu, 110 zu wählen und Mitreisende um Hilfe zu bitten. Das schrecke Täter häufig ab.

Rappelvolle Züge: Wenn es hier Bedrohungssituationen gibt, rät die Bundespolizei dazu, 110 zu wählen und Mitreisende um Hilfe zu bitten. Das schrecke Täter häufig ab. Foto: bn

Münster - 

Auf dem Rückweg von einer Silvesterparty in Köln erlebten zwei Münsteraner gleichzeitig Angst und Ohnmacht wegen fehlender Unterstützung in den Regionalzügen der Bahn.

Von Günter Benning

Schlägerei, Diebstahl, drangvolle Enge. Danny Stumpe und seine Freundin Sarah Stossers haben gute Gründe, die Neujahrsnacht abzuhaken. Auf dem Rückweg von einer Silvesterparty in Köln erlebten die Münsteraner gleichzeitig Angst und Ohnmacht wegen fehlender Unterstützung in den Regionalzügen der Bahn.

Das war passiert: Nachts setzte sich das Paar in Köln in den Zug. Von den Unruhen am Bahnhof bekam es nichts mit, dafür war es im Zug drangvoll eng. Als die Münsteraner in Düsseldorf in den RE1 nach Hamm umstiegen, so Stumpe, „war es so eng, dass man sich nicht bewegen konnte“.

Dann gab es eine Schlägerei. Drei oder vier Männer – „vom Aussehen her Afrikaner“ – schlugen auf einen weiteren Mann ein, dem Anschein nach ebenfalls ausländischer Herkunft. Das Opfer hatte eine Platzwunde, Sarah Stossers, Krankenschwester am UKM, leistete Erste Hilfe, Danny Stumpe bewachte das Gepäck.

„Das Durcheinander“, sagt der Mathe-Student, „hat jemand benutzt, um meine Jacke zu stehlen. Der muss direkt aus der Nachbarschaft gewesen sein.“ Handy, Portemonnaie, iPhone – alles weg.

Und kein Zugbegleiter weit und breit. Denn nicht immer sind Züge auch mit Bordpersonal besetzt. Sarah Stossers tat das einzig Richtige: Sie rief die Polizei an. Doch als die Bundespolizei in Dortmund am Bahnsteig erschien, waren Täter und Opfer verschwunden. Wohl in Bochum ausgestiegen.

Was den Studenten ärgert: „Man wird allein gelassen.“ Weder Bahn noch Versicherung leisten Ersatz für das Diebesgut. Tatsächlich, so erklärt Bundespolizist Wolfgang Amberge, gilt das Prinzip „Garderobe“: „Jeder haftet selbst für seine Sachen.“ Es sei denn, es gäbe eine Reiseversicherung mit Diebstahlschutz. Stumpe resümiert seine Lage: „Wir waren sehr hilflos.“

Das kann man im Zug machen

Wolfgang Amberge kennt als Bahnpolizist Krisensituationen wie die von Danny Stumpe und Sarah Stossers. Sein Rat:

► Laut werden. Andere Fahrgäste einbeziehen. Einer muss die Polizei anrufen.

► 110 wählen. Entweder erreicht man die Bundespolizei oder die Landespolizei. Dabei möglichst genau sagen, wo sich der Zug befindet.

► Wenn kein Handyempfang vorhanden ist, über den Notruf an den Zugtüren mit dem Zugführer kommunizieren. Der hat eigene Funkverbindungen.

► Tag und Uhrzeit der Tat rasch melden. Viele Züge, sagt Amberge, seien heute per Video überwacht. „Wir haben eine wunderbare Technik, die scharfe Bilder liefert“. Oft könnten Täter überführt werden, deren Tat aufgenommen wurde. Um die Videos zu erhalten, müssen sie aber zeitnah überspielt werden. Leider: Im älteren RE1, in dem Stumpe und Stossers fuhren, gibt es noch keine Videokameras.

► Anzeige bei jeder Polizeidienststelle erstatten.



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