Fr., 08.01.2016

Literaturbegegnung mit Asfa-Wossen Asserate im Theater Gastland soll Asylbewerber „fördern und fordern“

Asfa-Wossen Asserate (r.) führte im Theater mit Kulturhistoriker Manfred Osten ein Gespräch.

Asfa-Wossen Asserate (r.) führte im Theater mit Kulturhistoriker Manfred Osten ein Gespräch. Foto: Rüdiger Wölk

Münster - 

Der Kulturhistoriker Manfred Osten sprach mit Asfa-Wossen Asserate, dem Großneffen des letzten äthiopischen Kaisers, über Deutschland, das Flüchtlingsproblem und die Integration.

Von Helmut Jasny

Gewaltherrscher sind die eigentlichen Verursacher von Flüchtlingsströmen. Und sie werden mit europäischen Geldern an der Macht gehalten, weil sie Energie und Bodenschätze besitzen. Diese Analyse stammt von Asfa-Wossen Asserate, dem Großneffen des letzten äthiopischen Kaisers. Er hat in Deutschland und England studiert und konnte wegen der Revolution in Äthiopien nicht mehr in seine Heimat zurück. Am Donnerstag diskutierte er bei den Literaturbegegnungen im Theater Münster mit dem Kulturhistoriker Manfred Osten und forderte Europa auf, Diktaturen nicht weiter zu unterstützen.

Ebenfalls ein Thema waren die digitalen Medien. Ist das Internet verantwortlich für die „globale Völkerwanderung“, weil es ein zu rosiges Bild von Europa zeigt, fragte Osten. Das wolle er nicht abstreiten, meinte Asserate. Andererseits sehe er im Internet auch eine Möglichkeit zur Aufklärung über die Situation, die einen Flüchtling erwartet. Über seine Chancen könne er hier ebenso informiert werden wie über die in Europa geltenden Sitten und Werte. Und nach diesen müsse sich ein Asylbewerber richten, wenn er hier leben wolle. Gleichzeitig sieht Asserate auch das Gastland in der Pflicht. Es müsse „fördern und fordern“ im Hinblick auf Sprachkurse, Ausbildung und Arbeit.

Und wie hält man es mit der Religion? Ein Moslem, so Asserate, habe nicht so sehr ein Problem mit Andersgläubigen, sondern mit Ungläubigen. Dass es aber auch ein Menschenrecht ist, nicht zu glauben, müsse von jedem Gläubigen akzeptiert werden. Im übrigen rief er zu einem Dialog zwischen den Religionen auf. Dabei solle man bei den Gemeinsamkeiten anfangen, denn sie seien größer als viele denken. Die meisten Moslems seien keine Fundamentalisten, betonte Asserate: „Und wir müssen alles tun, damit sie keine werden.“

Als Autor hat sich Asserate mit dem Buch „Manieren“ einen Namen gemacht. Darin setzt er sich mit deutschen Sitten und Werten auseinander. Eine der liebsten Tugenden der Deutschen ist ihm die Demut. Er versteht darunter den Mut zu dienen und verweist auf einen Ausspruch Friedrichs II., der erklärt hatte, dass er der erste Diener des Staates sei. Eine kluge Erkenntnis, so Asserate, die er in der heutigen Politik allerdings etwas vermisse.



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