Fr., 08.01.2016

Studenten & das Finanzamt Nix verdienen und Steuern sparen?

 

  Foto: Colourbox.de

Studenten und Steuern sind separate Welten, denken viele: Studenten verdienen nichts und zahlen keine Steuern. Zwischen Studium und Steuer gibt es aber Berührungspunkte, von denen Eltern und Studenten wissen sollten.

Von Uwe Gebauer

►  Sind Unterhaltszahlungen der Eltern vom Studierenden zu versteuern?

Unterhaltszahlungen an ein unterhaltsberechtigtes Kind sind vom Kind nicht zu versteuern (§ 22 Nr. 1 Satz 2 Einkommensteuergesetz (EStG)

►  Können Eltern die Unterhaltszahlungen von der Steuer absetzen?

- Korrespondierend dazu können Eltern die Unterhaltsleistungen nicht von der Steuer abziehen (§ 12 Nr. 2 EStG). Das gilt auch für Studiengebühren, die Eltern für ihr studierendes Kind zahlen, denn Studiengebühren gehören zum zivilrechtlichen Ausbildungsunterhalt.

Auch das Entgelt für ein Studium an einer privaten Fachhochschule kann von den Eltern nicht als Sonderausgabe oder außergewöhnliche Belastung steuermindern geltend gemacht werden (FG Münster, Urteil vom 14.08.2015, Az. 4 K 1563/15 E).

- Die finanzielle Belastung der Eltern wird steuerlich durch den sog. Familienleistungsausgleich berücksichtigt, also durch den Kinderfreibetrag in Höhe von 2.304 EUR und den Betreuungsfreibetrag in Höhe von 1.320 EUR jährlich, die vom Einkommen abgezogen werden (§ 32 Abs. 6 EStG). Bei Ehegatten bzw. Lebenspartnern verdoppeln sich diese Beträge. Zusätzlich kann, wenn das Kind während der Ausbildung nicht mehr im elterlichen Haushalt wohnt, ein Freibetrag in Höhe von 924 EUR abgezogen werden (§ 33a Abs. 2 EStG). Alternativ erhalten die Eltern Kindergeld in Höhe von 190 EUR monatlich, falls dies günstiger ist.

- Sobald für das studierende Kind kein Kindergeld mehr gewährt wird (ab Vollendung des 25. Lebensjahres) können die Eltern Unterhaltsleistungen bis maximal 8.652 EUR im Jahr als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen (§ 33a Abs. 1 EStG), wenn das Kind nicht über ein eigenes ausreichendes Einkommen verfügt.

►  Wie sind Ausbildungsvergütungen oder Arbeitslohn des Kindes steuerlich zu behandeln?

Hierfür gelten steuerlich keine Besonderheiten. Arbeitslohn ist gemäß § 19 EStG steuerpflichtig und unterliegt dem Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber. Aufwendungen bspw. für Fahrten zur Arbeitsstätte und Arbeitsmaterialien können als Werbungskosten steuermindernd abgezogen werden.

►  Müssen Leistungen nach BAföG und Stipendien versteuert werden?

- Sowohl Leistungen nach dem BAfÖG, als auch Zahlungen aufgrund eines Stipendiums sind steuerfrei (§ 3 Nr. 11 und § 3 Nr. 44 EStG). Für die Steuerfreiheit eines Stipendiums kommt es nicht darauf an, ob die Leistungen durch eine öffentliche oder eine private Einrichtung erfolgen.

- Werden aber die Zahlungen als Gegenleistung für eine bestimmte Tätigkeit, bspw. eine wissenschaftliche Mitarbeit, des Studierenden gezahlt, handelt es sich nicht mehr um ein Stipendium im Sinne der steuerlichen Vorschriften, sondern um steuerpflichtigen Arbeitslohn.

►  Können die Kosten des Studiums (Semestergebühren, Arbeitsmaterialien, Arbeitszimmer, Fahrtkosten und mehr) von der Steuer abgesetzt werden?

Die Aufwendungen für ein Erststudium oder eine Erstausbildung können grundsätzlich nicht als Werbungskosten abgezogen werden (§ 9 Abs. 6 EStG). Etwas anderes gilt, wenn das Erststudium oder die Erstausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses erfolgt

Anmerkung: Auch wenn ein Studierender während seines Erststudiums keine oder nur geringe eigene Einkünfte hat und deshalb aufgrund des steuerlichen Grundfreibetrags von 8.652 EUR ohnehin
keine Steuern zahlt, hätte die Berücksichtigung der Werbungskosten den steuerlichen Vorteil, dass ein „Werbungskostenüberschuss“ als sog. Verlustvortrag in späteren Jahren durch Abzug von einem dann höheren Einkommen aus der Berufstätigkeit steuerlich genutzt werden könnte.

Wichtig: Ob das Werbungskostenabzugsverbot für die Kosten des Erststudiums verfassungsmäßig ist, wird derzeit vom Bundesverfassungsgericht geprüft (Az. 2 BvL 23/14). Bis zu der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts kann es deshalb für Studierende sinnvoll sein, eine Einkommensteuererklärung abzugeben und darin ihre Aufwendungen für Semestergebühren, Arbeitsmaterialien, Arbeitszimmer, Bücher, Fahrtkosten, Kosten für doppelte Haushaltsführung usw. als Werbungskosten anzusetzen. Lehnt das Finanzamt dann aufgrund der geltenden Rechtslage die Berücksichtigung – also die Feststellung eines Verlustes in Höhe der Kosten – ab, kann hiergegen Einspruch eingelegt und anschließend Klage vor dem Finanzgericht erhoben werden. Das Verfahren kann dann so lange ruhen, bis das Bundesverfassungsgericht entschieden hat. Durch diese Vorgehensweise gehen für den Studierenden keine Verluste „verloren“.

- Unabhängig davon können die Kosten des Erststudiums bis zur Höhe von 6.000 EUR jährlich als Sonderausgaben abgezogen werden (§ 10 Nr. 7 EStG). Dieser Abzug wirkt sich aber nur dann aus, wenn der Studierende ein steuerpflichtiges Einkommen erzielt, denn anders als ein Werbungskostenüberschuss können Sonderausgaben nicht in spätere Jahre vorgetragen werden.

- Die Kosten eines Zweitstudiums, also eines Studiums nach Abschluss einer universitären oder außeruniversitären Ausbildung, sind als (vorweggenommene) Werbungskosten grundsätzlich abzugsfähig. Auch ein Masterstudium oder ein Promotionsstudium kann, je nach Ausgestaltung des Studiengangs im Einzelfall, ein Zweitstudium darstellen.

►  Erhalten Eltern weiterhin Kindergeld?

- Da das Kindergeld die Unterhaltszahlungen für das Kind teilweise „kompensieren“ soll, steht der Anspruch auf Kindergeld den Eltern und nicht dem Kind zu. Solange das Kind durch Ausbildung oder Studium für einen Beruf ausgebildet wird und das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, besteht der Kindergeldanspruch auch nach Volljährigkeit des Kindes fort.

- Die frühere gesetzliche Regelung, nach der der Kindergeldanspruch entfiel, wenn der Verdienst des Kindes zu hoch war (8.004 EUR), gilt seit dem 01.01.2013 nicht mehr.

- Setzt das Kind seine Ausbildung nach Abschluss der Berufsausbildung oder des Erststudiums durch ein Zweitstudium (bspw. ein Promotionsstudium) oder eine (weitere) Ausbildung fort, kann für das Kind nur dann weiter Kindergeld beansprucht werden, wenn es keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Eine Tätigkeit von weniger als 20 Stunden wöchentlich, ein Ausbildungsverhältnis oder ein sog. Minijob sind dabei unschädlich. Ein ausbildungs- und praxisintegrierender Studiengang (Duales Studium) ist in diesem Zusammenhang als einheitliche Erstausbildung bzw. Erststudium anzusehen (FG Münster, Urteil vom 15.05.2013, Az. 2 K 2949/12 Kg, bestätigt durch BFH, Urteil vom 03.07.2014, Az. III R 52/13).

Auch Bachelor- und Masterstudium sind als einheitliche Ausbildung anzusehen, wenn das Masterstudium zeitlich und inhaltlich auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist und das angestrebte Berufsziel erst darüber erreicht werden kann (BFH, Urteil vom 03. September 2015 – VI R 9/15 –, BFHE nn) (BFH, Urteil vom 03. 09.2015, Az. VI R 9/15).



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