Di., 12.01.2016

Nachbarn kritisieren Stadt Streitfall Flüchtlingsheim

Günther Wenzel betreibt an der Borkstraße im Düesbergviertel einen Lackservice. Ab Anfang April sollen in ein ehemaliges Fitnessstudio direkt nebenan (im Hintergrund) 100 Flüchtlinge ziehen.

Günther Wenzel betreibt an der Borkstraße im Düesbergviertel einen Lackservice. Ab Anfang April sollen in ein ehemaliges Fitnessstudio direkt nebenan (im Hintergrund) 100 Flüchtlinge ziehen. Foto: kal

Münster - 

An der Borkstraße wird eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet – die Nachbarn erfahren davon erst aus der Zeitung. Dafür gebe es gute Gründe, betont die Stadtverwaltung.

Von Martin Kalitschke

Monatelang stand das Fitnessstudio an der Borkstraße leer. Als plötzlich Handwerker vorfuhren, begann in der Nachbarschaft das große Rätselraten: Wer ist der neue Mieter? Die Antwort erfuhren die Anlieger am Samstag aus unserer Zeitung: Ab Anfang April sollen 100 Flüchtlinge in das Gebäude zwischen Weseler Straße und Kappenberger Damm einziehen. Nicht wenige Nachbarn sind irritiert: „Warum hat man uns nicht informiert, das passiert doch bei anderen Flüchtlingseinrichtungen auch?“, fragt Günther Wenzel, dessen Werkstatt „Lackdoktor“ direkt an das künftige Wohnheim grenzt. Nicht nur er ist von der Stadt „maßlos enttäuscht“, spricht von „Desinformation“. Auch andere Nachbarn haben sich gegenüber unserer Zeitung kritisch geäußert, wollen aber nicht namentlich genannt werden. „Hier werden Fakten geschaffen“, glaubt Wenzel.

Die Stadt weist den Vorwurf der Desinformation von sich. Im Rahmen einer Dringlichkeitsentscheidung habe der Hauptausschuss im Dezember in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, das Gebäude für zunächst fünf Jahre anzumieten, so Stadt-Sprecher Joachim Schiek. Nichtöffentlich, da es sich um eine Mietvertragsangelegenheit gehandelt habe. Und Dringlichkeitsentscheidung, da die Stadt damals bei den Unterbringungsmöglichkeiten an ihre Grenzen gestoßen war und unbedingt verhindern wollte, für Flüchtlinge Turnhallen in Beschlag zu nehmen, sagt Schiek.

Im Gegensatz zum Bau dauerhafter Einrichtungen – wie an der Bahlmannstraße im Kreuzviertel – und temporärer Einrichtungen wie dem früheren Finanzamt an der Münzstraße seien bei Notfallmaßnahmen wie an der Borkstraße keine Informationsveranstaltungen für die Bürger vorgesehen – weil schlicht und einfach die Zeit dränge, so Schiek.

Ende März soll der Umbau abgeschlossen sein. Die Flüchtlinge werden in kleinen Apartments für bis zu vier Personen untergebracht. Der Rat muss das Vorhaben noch absegnen, doch das ist reine Formsache. „Rechtlich ist es durch“, so Schiek. Daher habe der Vermieter auch schon mit der Herrichtung begonnen.

Anlieger Wenzel bleibt skeptisch. Er fürchtet, dass ihm Kunden keine Fahrzeuge mehr anvertrauen wollen, hat Angst, sich künftig „in einem Gewerbegebiet, wo es abends sehr einsam ist“, in seiner Werkstatt aufzuhalten. Schiek versucht, solche Befürchtungen zu zerstreuen. Ein Sozialarbeiter und ein Hausmeister würden sich um die Flüchtlinge kümmern: „Es ist dafür gesorgt, dass es keine Komplikationen geben wird.“

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Google-Anzeigen


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3732434?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F