Mi., 13.01.2016

Ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen Gleichstellungsausschuss verabschiedet Resolution

In der Silvesternacht  waren am Kölner Hauptbahnhof Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt worden.

In der Silvesternacht  waren am Kölner Hauptbahnhof Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt worden. Foto: dpa

Münster - 

Als erstes städtisches Gremium hat der Gleichstellungsausschuss mit einer Resolution auf die Ereignisse der Silvesternacht reagiert. Gewalt wird darin grundsätzlich verurteilt – ungeachtet der Herkunft der Täter.

Von Lukas Speckmann

Der städtische Ausschuss für Gleichstellung hat die Vorfälle der Silvesternacht in Köln und anderen Städten zum Anlass für eine Resolution genommen, die nach intensiver Diskussion am Mittwochabend einstimmig verabschiedet wurde. „Der Ausschuss verurteilt jegliche sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen“, heißt es darin. Der massiven Menschenrechtsverletzung in Köln sei „mit aller Härte des Gesetzes entgegenzutreten“ – und zwar „ungeachtet der Herkunft und Nationalität der Täter“.

Das Gremium war sich nach durchaus kontroverser Aussprache letztlich einig, sich nicht zum Thema Integration, sondern zum Gewaltproblem an sich zu äußern. Gewalt gehe von Männern aus. Die Mehrheit aller Frauen in Deutschland sei schon einmal belästigt worden – nicht nur auf der Straße, sondern auch am Arbeitsplatz oder daheim.

Der Ausschuss wolle mit dieser überparteilichen Resolution ein erstes Zeichen setzen, betonte der Vorsitzende Richard-Michael Halberstadt (CDU). Der vom städtischen Frauenbüro entworfene Text werde dem Integrationsrat und dem Sozialausschuss zur Übernahme empfohlen – und soll letztlich auch vom Rat beschlossen werden.

Wortlaut der Resolution

Der Ausschuss für Gleichstellung verurteilt jegliche sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Wir stellen fest, dass die Vorkommnisse in Köln einen schwerwiegenden Angriff auf die Gleichberechtigung der Frauen und eine massive Menschenrechtsverletzung darstellen, denen mit aller Härte der Gesetze entgegenzutreten ist. Ungeachtet der Herkunft und Nationalität der Täter dürfen solche gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen nicht toleriert werden.

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen in der Öffentlichkeit ist kein neues Thema. Die aktuell erlebten öffentlichen Übergriffe in massierter Form stellen eine neue Dimension dar, aber sie dürfen nicht davon ablenken, dass in unserem Land und auch in Münster an jedem Tag Frauen und Mädchen missachtet, gedemütigt und missbraucht werden. Sexualisierte Gewalt vor allem gegen Frauen und Mädchen und gegen Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen ist leider Bestandteil unserer Gesellschaft, betrifft alle Nationen und begegnet uns nicht nur auf der Straße, sondern auch am Arbeitsplatz, an der Universität und im persönlichen Umfeld.

Täter sind Deutsche ebenso wie Männer mit Migrationshintergrund. Sie kommen aus allen sozialen Schichten und finden sich in allen Altersgruppen. Zahlen des Bundesfamilienministeriums zeigen: Knapp 60 Prozent aller Frauen in Deutschland wurden bereits sexuell belästigt, jede siebte hat strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt erfahren.

Die aktuelle öffentliche Empörung mit ihren vielen Facetten von Schuldzuweisungen, Pauschalierungen und Diskriminierungen, aber auch mit den gut gemeinten Ratschlägen zum Verhalten von Frauen gibt hier Anlass darauf hinzuweisen, dass die Lösung des Problems nicht von den Frauen und Mädchen ausgehen muss, sondern von allen, die in unserer Gesellschaft Verantwortung tragen und besonderes auch von jedem einzelnen Mann. Wer die persönliche Würde und die sexuelle Integrität von Frauen und Mädchen nicht respektiert oder absichtlich verletzt, stellt sich außerhalb unserer Rechtsnormen.

Wer Mitarbeiterinnen am Arbeitsplatz, sexuell belästigt, wer Frauen und Mädchen sexistisch beleidigt oder familiäre Gewalt ausübt, gehört ebenso zu den Tätern wie Männer, die sich zusammenrotten und Frauen und Mädchen öffentlich sexuell belästigen, erniedrigen und vergewaltigen.

Wir schätzen und fördern die Arbeit der Frauenhäuser und der Frauenberatungsstellen in Münster, die seit drei Jahrzehnten betroffenen Frauen Hilfe und Unterstützung bieten und daran arbeiten, das Bewusstsein für dieses gesellschaftliche Problem zu schärfen. Wir rufen daher jetzt alle, insbesondere alle Männer, die sich für ein respektvolles Miteinander von Frauen und Männern für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft einsetzen wollen, dazu auf sich klar zu positionieren.

Lehnen Sie jedwede Form von (sexualisierter) Gewalt gegen Frauen ab, schauen Sie nicht weg, lassen Sie anderen Männern gleich welcher Herkunft, Religion oder kulturellem Hintergrund auch in Ihrem persönlichen Umfeld Sexismus nicht durchgehen. Setzen Sie sich aktiv für die Würde und den Respekt gegenüber Menschen gleich welcher sexuellen Orientierung und Identität ein!

Am 14. Februar 2016 um 14 Uhr (Startpunkt Stubengasse) findet auch in Münster wieder die Demo „One billion rising“ statt – eine gute Gelegenheit sich aktiv gegen Gewalt an Frauen aufzustellen.

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