Fr., 15.01.2016

Angekündigtes Ende von Café Kleimann Trauer um eine Café-Tradition

Traurig: Ralf (l.) und Bernd Kleimann müssen sich von ihren Mitarbeitern trennen. Das Café Kleimann mit seinen erlesenen Pralinen, seinen hochwertigen Kuchen und dem nostalgischen Interieur wird Ende März schließen.

Traurig: Ralf (l.) und Bernd Kleimann müssen sich von ihren Mitarbeitern trennen. Das Café Kleimann mit seinen erlesenen Pralinen, seinen hochwertigen Kuchen und dem nostalgischen Interieur wird Ende März schließen. Foto: bn

Münster - 

Mit dem Café Kleimann wird eine Institution in Münster verschwinden. Für die Besitzer wurde die wirtschaftliche Lage immer schwieriger.

Von Günter Benning

Zu solchen Orten wie Café Kleimann gehören Storys. Einmal soll Bundesligatrainer Otto Rehhagel in einer Ecke mit Nationalspieler Manni Burgsmüller verhandelt haben, als ein Bildreporter vorbeischoss. Worauf Rehhagel gesagt haben soll: „Sie gehören zu den Menschen, die nie Kinder bekommen sollen.“

Jetzt ist es aus. Café Kleimann schließt Ende März, im Jahr 82 nach der Gründung (1934). Den Chefs Ralf (44) und Bernd Kleimann (48) sieht man das an. Sie sitzen blass im Gastraum im ersten Café-Geschoss. Am Donnerstagabend war Mitarbeiterversammlung. „Da flossen Tränen“, sagt Bernd Kleimann, der Konditormeister in weißer Arbeitskluft, „auch bei uns.“

Die Rehhagel-Burgsmüller-Geschichte erklärt das vielleicht sogar. Kleimann war immer ein Café mit Eckchen. Unten sitzt man etwas verborgen, nach oben führt eine geschwungene Treppe. Hinten ist der legendäre blaue Salon, der erste Nichtraucherraum Münsters (damit die Schüler dort nicht kifften). Kleimann ist ein Ort für Intimes. Ein stiller Ort. So wie ihn Monika Deppen und Maria Hoppenberg lieben. Sie trinken Tee im Salon und sagen: „So sollte es auch bleiben.“ Und wie lange geht das schon so? Sie sehen sich an und lachen: „Seit 40 Jahren.“

Kommentar zum Thema

Nostalgie kauft keiner.

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Wir waren alle geschockt, das erwartet keiner, dass man nach 80 Jahren schließt.

Ela Lemounidou, Mitarbeiterin

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Die Entwicklung draußen, da ist Ralf Kleimann Realist ist anders: Offene Cafés, Coffee to go, Außengastronomie, Kaffeestände auf dem Markt. Das zwackte dem Traditionshaus in dritter Generation Kundschaft weg. Unter den Bögen konnte er nur wenige Tischchen stellen. „Und dann haben wir dort noch Schatten.“ All die Kunden, die ihm sagten, es sei doch voll im Geschäft, fragt Bernd Kleimann zurück: „Wann seid ihr denn da?“ Samstags, an Markttagen, ja, da geht‘s. Aber sonst, vor allem im Sommer bleiben die Kaffeetrinker der Stadt anderswo.

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Schade. Ich kaufe bei Kleimann einmal die Woche Pralinen – die Qualität ist immer 1 A.

Angelika Heinrichsmeyer, Kundin

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Unten im Verkauf fällt Kundin Angelika Heinrichsmeyer aus den Wolken, als sie vom Ende des Cafés erfährt. Sie kauft Pralinen. Wie jede Woche. „Denn mein Mann kann die wunderbar vertragen“, lobt sie, „die haben nur die besten Zutaten.“

Draußen in Roxel, wo Kleimanns Backstube ist, sind Experten dafür da. Langjährig gediente Konditorenmeister. Insgesamt arbeiten rund 30 Leute für Kaffee, Pralinen und Kuchen. Die gilt es jetzt erst einmal, unterzubringen, sagt Bernd Kleimann: „Das sind alles qualifizierte Mitarbeiter und wir hoffen, dass sie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.“

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Wir sitzen seit 40 Jahren hier im Blauen Salon. Eigentlich sollte es auch so bleiben.

Maria Hoppenberg, Café-Gast

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Den Verkäuferinnen und Kellnerinnen steht derweil der Schock vom Vorabend im Gesicht. Ela Lemounidou hat erst seit September ihre Festanstellung: „Wer hätte gedacht, dass so ein Café nach 80 Jahren schließt? Die Kunden sind traurig.“

Auch das kleine Kaffeegeschäft Milchmädel in der Domgasse schließt. Eigentlich ist es eine Erfolgsgeschichte, sagt Ralf Kleimann, „aber es hängt an unserer Infrastruktur.“

 

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