Fr., 15.01.2016

Anfangsverdacht gegen Sicherheitsbeauftragten des SC Preußen Münster Ermittler durchsuchen Preußen-Büro

37 Bengalos, sechs Rauchtöpfe und fünf Böller zählte die Polizei am 16. Oktober in der Ostkurve.

37 Bengalos, sechs Rauchtöpfe und fünf Böller zählte die Polizei am 16. Oktober in der Ostkurve. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Wegen eines Anfangsverdachts der Strafvereitelung, der sich gegen den Sicherheitsbeauftragten des SC Preußen richtet, haben Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitagmorgen dessen Büro in der Haupttribüne des Fußball-Drittligisten durchsucht. Der langjährige Clubmitarbeiter solle bei der Durchsicht von Videomaterial Anhänger der Ultra-Szene als ihm nicht bekannt eingestuft haben, obwohl er sie laut Staatsanwaltschaft kennen müsste.

Von Ralf Repöhler, Thomas Rellmann

Staatsanwaltschaft und Polizei haben am Freitag einen Büroraum des Fußball-Drittligisten SC Preußen Münster in der Haupttribüne des Stadions durchsucht und dabei Computer und Unterlagen sichergestellt. Das bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Heribert Beck, auf Anfrage unserer Zeitung.

Danach richte sich gegen den Sicherheitsbeauftragten des Vereins ein Anfangsverdacht wegen möglicher Strafvereitelung. Dem 45-jährigen Münsteraner wird vorgeworfen, Straftäter auf einem Video erkannt, die Namen allerdings nicht der Polizei mitgeteilt zu haben.

„Der Mitarbeiter steht in dem Anfangsverdacht, mit den Ultras zu kooperieren“, sagt Beck. Auch die Wohnung des Sicherheitsbeauftragten sei von den Ermittlern durchsucht worden.

SCP-Sportvorstand Carsten Gockel bestätigte die Durchsuchungen, mit Verweis auf das laufende Verfahren wollte er sich jedoch nicht weiter äußern. Nur so viel: „Wir stehen unserem Mitarbeiter zur Seite.“

Hintergrund für das Ermittlungsverfahren sind laut Beck „die Straftaten“ beim Preußen-Heimspiel gegen Hansa Rostock (1:1) am 16. Oktober 2015, als es in der Ostkurve zu einem massiven Einsatz von Pyrotechnik durch die Ultras gekommen war. Zudem hatten die Anhänger beleidigend-sexistische Plakate ausgerollt. Das Spiel war unterbrochen worden und stand kurz vor dem Abbruch. Der Verein selbst sperrte die Blöcke M und N, wo die Ultras stehen, daraufhin umgehend freiwillig für das nächste Heimspiel, der DFB verlängerte diese Sanktion um zwei Partien. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen mehrere Mitglieder der Ultra-Szene, unter anderem gegen die Capos als führende Köpfe der Gruppierungen.

Wie Beck mitteilt, hätten die Ermittler dem Sicherheitsbeauftragten, der auch die Kommunikation mit den Fangruppen des SC Preußen führe, Videomaterial gezeigt. Dabei sollte er „aufgrund seiner Tätigkeit“ (Beck) Anhänger aus der Ultra-Szene erkennen, die er aus Sicht der Staatsanwaltschaft hätte identifizieren können. Das allerdings verneinte er. Konfrontiert mit dem Verdacht habe der Mann gegenüber der Polizei bestritten, falsche Angaben gemacht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin einen Durchsuchungsbefehl, ein Richter gab dafür grünes Licht, sodass am Freitag Datenträger mitgenommen wurden, um mögliches Beweismaterial zu finden. Bei Strafvereitelung ist eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren möglich, so Beck.

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