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Do., 21.01.2016

Flüchtlingshelfer sind verunsichert Münsters Kirchen gegen Rassismus

Stellen sich eindeutich auf die Seite der zahlreichen Helfer in der Flüchtlingsarbeit, deren Arbeit von der gegenwärtigen Debatte ausgebremst wird: Superintendentin Meike Friedrich und Stadtdechan Jörg Hagemann.

Stellen sich eindeutich auf die Seite der zahlreichen Helfer in der Flüchtlingsarbeit, deren Arbeit von der gegenwärtigen Debatte ausgebremst wird: Superintendentin Meike Friedrich und Stadtdechan Jörg Hagemann. Foto: Günter Benning

Münster - 

Münsters Kirchen stellten sich offensiv hinter Tausende von Helfern in der münsterischen Flüchtlingsarbeit. Viele von ihnen seien verunsichert durch die politische Debatte über Flüchtlinge, erklärten Superintendein Meike Friedrich und Stadtdechant Jörg Hagemann.

Von Günter Benning

Meike Friedrich, Superintendentin des Kirchenkreises Münster, wohnt gegenüber dem Flüchtlingsheim an der Münzstraße: „Mit den Flüchtlingen gibt es keine Probleme.“ Aber letzte Woche kam es zu einem Polizeieinsatz, weil ein Randalierer den Hitlergruß zeigte und Bewohner bedrohte. Dies ist nur eine Episode aus einer Gesellschaft, in der sich der Ton gegenüber Flüchtlingen radikalisiert. In einer gemeinsamen Erklärung wehren sich beide christliche Kirchen in Münster gegen die „Instrumentalisierung“ der Vorfälle in Köln zur „Rechtfertigung rassistischer Hetze“.

In Münster gehe die Zahl der ehrenamtlichen Helfer für Flüchtlinge in die Tausende, sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der katholische Stadtdechant Jörg Hagemann. Immer mehr von ihnen erlebten Ablehnung, teilweise auch Hetze gegen ihre Arbeit. Natürlich sei klar, dass unter den vielen Menschen, die nach Deutschland kämen, auch Kriminelle seien, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. „Und doch dürfen wir keine plumpen Verallgemeinerungen zulassen.“

Superintendentin Friedrich betonte, dass die Kirchen hinter dem Rechtsstaat stünden und begangene Straftaten geahndet werden müssen. Überfällig sei auch eine Diskussion um Sexismus und sexualisierte Gewalt.

Anstatt allerdings nun über eine Verschärfung der Gesetze zu diskutieren, setzen die Kirchen darauf, weiter auf die „integrierenden Kräfte in der Bevölkerung zu vertrauen und das Engagement auf den Ausbau von Bildung, Teilhabe und der Unterstützungssysteme zu konzentrieren“.

Die Erklärung der Kirchen zur Flüchtlingsdebatte

Die gemeinsame Erklärung der christlichen Kirchen.

Stadtdechant Hagemann wandte sich dagegen, fremdenfeindliche Parolen salonfähig zu machen: „Wenn wir dieser Entwicklung nicht entgegentreten, laufen wir Gefahr, die christlichen Werte unserer Gesellschaft und unserer Demokratie zu verlassen.“

Beide Kirchenvertreter berichten von einer beängstigenden Stimmung unter den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern. Manche trauten sich kaum noch, offen über ihre Arbeit zu reden oder Werbung dafür zu machen. Die Schwadroniererei von Rechten über den drohenden Untergang des Abendlandes, so Friedrich, müsse man anders ernst nehmen: „Wer dürfen nicht die Werte unserer Gesellschaft und ihre Offenheit aufgeben.“

In der Diskussion über eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen sagte Jörg Hagemann ein klares Nein: „Was macht man denn mit dem ersten Flüchtlingskind, wenn die Quote erfüllt ist?“



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