Sa., 23.01.2016

Helliver Guitars aus Münster Kein Stück von der Stange

Einfach schön: Oliver Barons Gitarrenkollektion lässt Musikerherzen höher schlagen.

Einfach schön: Oliver Barons Gitarrenkollektion lässt Musikerherzen höher schlagen. Foto: bn

Münster - 

Oliver Baron ist ein pingeliger Handwerker. Im Jahr schafft er 15 bis 20 Gitarren. Die Profis reißen sich darum.

Von Günter Benning

ZZ-Top-Gitarrist Billy Gibbons (66) ist ein Exzentriker. Seine Gitarren tragen schon mal Kuschelpelz. Oder sie sind aus Gummi, damit man Messer reinstecken kann. Neuerdings klampft er auf einem schrägen lila E-Instrument aus Münster. „Die nächste davon“, sagt Oliver Baron und zeigt in seiner Werkstatt auf einen Torso an der Wand, „ist schon in Arbeit.“

Kunden wie Gibbons muss man erst mal haben – als Außenseiter. Baron ist Autodidakt, ein Außenseiter mit Format.

Studiert hat der 39-jährige Jülicher eigentlich Grafik-Design. Gitarre hat er aber schon vorher gespielt, teilweise auch in Bands. Und 2001 hat er ein Hobby für sich dabei entdeckt: „Selber das perfekte Instrument bauen.“ Das war die Geburtsstunde einer erlesenen kleinen Instrumentenmacher-Werkstatt.

So richtig gelernt hat er das Zupfinstrumentenhandwerk nie, erzählt der Perfektionist in seiner Werkstatt an Münsters Stadtrand. Er hat sich alles selbst beigebracht. Seine Grundhaltung: „Ich habe immer etwas zu mäkeln.“

Zunächst war seine Werkstatt in den Osmohallen. 100 Euro Miete – genau das richtige für einen Quereinsteiger. Heute baut er seine Helliver-Instrumente im Gewerbegebiet, ganz in der Nähe von Hengst-Filterbau.

„Helliver“, schmunzelt der Mann vom Niederrhein, der vom Naturell her gut als Norddeutscher durchginge, „war schon immer mein Spitzname.“ „Hell“ wie Hölle, „iver“ wie Oliver ohne O.

Das klingt freakig, ein bisschen nach Metal-Szene. Aber Oliver Baron ist ein pingeliger Handwerker. Im Jahr schafft er 15 bis 20 Instrumente:

„Mehr geht nicht“, sagt er. Es sei denn, er würde Mitarbeiter beschäftigen. Das will er aber nicht. Bei Preisen zwischen 3500 und 6000 Euro für ein Instrument kommt er auch so ganz gut über die Runden.

Zumal die wirklichen Freaks seine Kunden sind: „Manche haben fünf oder sechs Gitarren von mir“, schmunzelt er. Wer eine neue bestellt, muss deshalb warten. Das Auftragsbuch ist fürs nächste Jahr bereits gefüllt.

Es können schon einige Monate ins Land gehen, bis eine E-Gitarre fertig ist. Der Korpus muss zugeschnitten werden, der Lack muss fest sein. 20 bis 30 Schichten davon werden aufgetragen und pingelig poliert. „Das ist die klassische Art und Weise“, sagt Baron. Das dauert dann auch einige Wochen lang – „und es altert schön“.

In Reih und Glied hängt eine halbe Jahresproduktion Hellivers in seiner Werkstatt. „Eine Formsprache wie in den 50er-, 60er-Jahren“, sagt der Designer, „wie die klassische Les Paul-Gitarre.“ Aber nicht nur die Form macht die Musik, sondern auch der Inhalt. Vier, fünf Jahre benutzt Baron „Holz vom selben Baum“. Deswegen weiß er, wie die Instrumente klingen. Die Griffbretter aus Ebenholz hat er aus Hamburg, das Holz wurde 1989 eingeschnitten. Baron steht etwas ergriffen vor dem Regal und sagt: „Das reicht für mein ganzes Berufsleben.“ Genauer gesagt: Er müsste bis Mitte seiner 70er-Jahre Gitarren bauen, um die Vorräte zu verbrauchen.

Oliver Baron baut nicht für den großen Markt. Und er arbeitet mit Kollegen, die ähnlich ticken wie er. Die Tonabnehmer von Amber und Häussel stammen aus Ein-Mann-Werkstätten von Akustik-Freaks. Und weil sie etwas besonderes sind, sagt Baron, „sind sie auch hochpreisig.“

Billy Gibbons übrigens besuchte er Back Stage bei einem Konzert. „Normalerweise werden solche Bands von den großen Firmen gesponsert“, sagt er. Da denke keiner daran, für das Instrument auch zu zahlen. Bei seiner Helliver war das anders: „Wir haben uns noch lange über Gitarren unterhalten – und dann hat Gibbons gleich noch eine bestellt.“ 

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