So., 24.01.2016

Kampagne des Auswärtigen Amtes in Münster gestartet Die vergessenen Krisen

Erinnern an humanitäre Notlagen (v.l.):  Journalistin Antje Passenheim, Christoph Strässer, Moderatorin Gisela Steinhauer, Prof. Joachim Gardemann, Oberbürgermeister Markus Lewe und Sid Peruvemba.

Erinnern an humanitäre Notlagen (v.l.):  Journalistin Antje Passenheim, Christoph Strässer, Moderatorin Gisela Steinhauer, Prof. Joachim Gardemann, Oberbürgermeister Markus Lewe und Sid Peruvemba. Foto: was

Münster - 

Aus den Medien – aus dem Sinn? Dieser Frage widmete sich die Auftaktveranstaltung der bundesweiten Kampagne des Auswärtigen Amtes in Münsters Rathaus. Titel der Kampagne: „Vergessene Humanitäre Krisen“

Von Annette Waschbüsch

Das SOS wird immer schwächer und droht zu verschwinden – schon das Logo mit dem verblassenden Notsignal zeigt deutlich, worum es geht in der Kampagne, die am Freitag im Rathausfestsaal ihren Auftakt hatte: Zusammen mit Partnerorganisationen will das Auswärtige Amt die „Vergessenen Humanitären Krisen“ wieder in den Fokus rücken.

Entworfen haben das Kampagnen-Markenzeichen, das an diesem Abend erstmals öffentlich präsentiert wurde, Design-Studierende der münsterischen Fachhochschule.

Es steht dafür, wie flüchtig der Blick auf die Katastrophen in der Welt mittlerweile ist.

„Dabei findet die humanitäre Krise doch unmittelbar vor unserer Haustür statt“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe. Denn viele Opfer der weltweit mehr als 400 Konflikt- und Krisenherde träfen täglich hilfesuchend in Deutschland und Europa ein.

Doch auch die verheerendsten Ereignisse verschwinden oft rasend schnell aus den Schlagzeilen. „Aus den Medien, aus dem Sinn“, hieß dementsprechend das Thema der Expertenrunde, die zum Auftakt auf dem Podium Platz genommen hatte.

Wie beispielsweise die Lage in Sierra Leone nach der Ebola-Epidemie sei, das komme in den Nachrichten kaum mehr zur Sprache, sagt Prof. Joachim Gardemann, Leiter des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe an der Fachhochschule Münster. „Dabei ist dort das gesamte Gesundheitssystem zusammengebrochen.“ Die Krise sei noch lange nicht überstanden.

Der Soziologe und Sozialpsychologe Prof. Harald Welzer entdeckt in den öffentlichen Debatten zu aktuellen Krisen geradezu hysterische Züge. In den stakkatoartigen Katastrophennachrichten verliere die Gesellschaft das Verhältnis zu Vergangenheit und Zukunft. „Für die politische Analysefähigkeit ist das total fatal.“ Laut einem Bericht der Vereinten Nationen seien 20,1 Milliarden Dollar nötig, um die weltweit 87 Millionen Krisenopfer zu unterstützen, sagt Christoph Strässer, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe.

Eine Zahl, die man in Relation setzen sollte, findet der stellvertretende Generalsekretär von Malteser International, Sid Peruvemba: „Der weltweite Eiscreme-Konsum liegt bei 60 Milliarden Dollar.“

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