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Mi., 27.01.2016

Altenheime Medikamente besser abstimmen

Demenz wie bei dieser Frau, Herz-Kreislauferkrankungen,  Depression, Inkontinenz oder Schmerzen sind häufig Gründe für Arzneimittelverordnungen bei älteren Menschen. Die Medikation besser abzustimmen, darauf zielt ein Projekt von Prof. Dr. Jürgen Osterbrink.

Demenz wie bei dieser Frau, Herz-Kreislauferkrankungen,  Depression, Inkontinenz oder Schmerzen sind häufig Gründe für Arzneimittelverordnungen bei älteren Menschen. Die Medikation besser abzustimmen, darauf zielt ein Projekt von Prof. Dr. Jürgen Osterbrink. Foto: dpa

Münster - 

Bewohner von Alten- und Pflegeheimen müssen häufig viele Medikamente einnehmen. Das birgt Risiken, ein Forschungsprojekt sucht jetzt nach Verbesserungen.

Von Dirk Anger

Es gibt Bewohner in Münsters Altenheimen, die müssen elf verschiedene Medikamente pro Tag nehmen. Das ist nicht mal eine Seltenheit, sagen Eingeweihte. Eine Vielzahl an Arzneimitteln steigert aber die Gefahr von ungewollten Reaktionen und Nebenwirkungen – erst recht, wenn plötzlich aus aktuellem Anlass, etwa nach einem Sturz, noch ein neues Medikament zusätzlich verordnet wird.

An diesem Punkt setzt ein auf zwei Jahre angelegtes Forschungsprojekt an, das am Mittwoch seinen offiziellen Aufschlag hatte: Die Initiative zur (Arzneimittel-)Therapiesicherheit in der Altenhilfe durch Kooperation und Teamwork – abgekürzt „InTherAKT“ – will Sorge tragen, dass sich die Versorgung älterer Menschen mit Medikamenten besser an deren persönlicher Lebenssituation orientiert. Denn nicht selten leiden betagte Heimbewohner an mehreren Krankheitsbildern gleichzeitig.

Um die Verabreichung von Medikamenten besser aufeinander abzustimmen, untersucht ein Forscherteam der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (Salzburg) zusammen mit 14 heimversorgenden Hausärzten und elf Apotheken aus Münster die Situation in neun Altenheimen der Stadt. Dabei spielen Austausch und Kooperation der beteiligten Berufsgruppen – Pflegende, Hausärzte und Apotheker – eine zentrale Rolle, wie Projektleiter Prof. Dr. Jürgen Osterbrink hervorhob. Herzstück des Projekts ist eine webbasierte Kommunikationsplattform, die einen direkten Austausch zwischen Pflegenden, Hausärzten und Apothekern ermöglicht. „Damit können aktuelle Veränderungen in der Medikation oder des Zustands der Bewohner schneller und sicherer mitgeteilt werden“, erläuterte Osterbrink den Nutzen. Am Ende gehe es darum, Gesundheit und Lebensqualität der Bewohner in den Altenheimen zu verbessern.

„Bisher gibt es nur wenige Daten zur Arzneimittelsicherheit in Altenheimen“, skizzierte Osterbrink die Ausgangslage. Mit dem Projekt könne Münster erneut eine Vorreiter-Rolle übernehmen, sagte dessen Leiter. Osterbrink hatte in Münster bereits das Projekt „Schmerzfreie Stadt“ durchgeführt und damit international Beachtung gefunden.

Nun gebe es ein „weiteres richtungsweisendes Projekt im Gesundheits- und Pflegesektor in Münster“, freute sich Bürgermeisterin Karin Reismann. Und Kai Martens vom Mitfinancier Grünen­thal Gmbh versicherte, dass das „gesundheitspolitische Berlin“ sehr aufmerksam nach Münster schaue. Osterbrink wies auf den Nutzen vor Ort hin: „Die Versorgung ist heute schon gut, es wird demnächst perfekt sein.“

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