Do., 28.01.2016

Beliebtes Ziel von Mountainbikern Freizeitsportler beschädigen die Wallburg Haskenau

Für diese vor Kurzem aufgeschüttete Sprungschanze wurde der innere Wall der mittelalterlichen Burg aufgerissen. Simon Bruns von den Stadtwerken, Archäologin Aurelia Dickers und Stadtförster Hans-Ulrich Menke (r.) sind sprachlos.

Für diese vor Kurzem aufgeschüttete Sprungschanze wurde der innere Wall der mittelalterlichen Burg aufgerissen. Simon Bruns von den Stadtwerken, Archäologin Aurelia Dickers und Stadtförster Hans-Ulrich Menke (r.) sind sprachlos. Foto: spe

Münster - 

Die Wallburg Haskenau an der Werse gehört zu den bedeutendsten Bodendenkmälern des Münsterlandes. Allerdings haben Freizeitsportler das Gelände als Spielwiese entdeckt – und nehmen keine Rücksicht auf die mittelalterliche Anlage. Die jüngsten Schäden sind enorm.

Von Lukas Speckmann

Das Problem ist nicht neu, aber seit Kurzem brennt es auf den Nägeln: Die mittelalterliche Wallburg Haskenau am Zusammenfluss von Ems und Werse zwischen Dorbaum und Gelmer wird derzeit massiv beschädigt – augenscheinlich von Freizeitsportlern, die vermutlich nicht einmal ahnen, was sie da anrichten.

Mountainbiker und in jüngster Zeit auch Kradfahrer nutzen die für münsterische Verhältnisse geradezu hochgebirgige Anlage für ihre Kapriolen. Dabei lockern sie in ihren typischen Fahrrinnen den Boden auf, sodass Wind und Regen angreifen können. Die Erosion beginne schleichend, sagt Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers. „Aber wenn einmal die Wallkrone durchbrochen ist, geht das ganz schnell.“

Gar nicht mehr schleichend sind jene Schäden, die erst in den vergangenen Wochen angerichtet wurden: Offenbar wollte jemand Sprungschanzen bauen, um den Graben zwischen innerem Wall und Turmhügel im Flug zu überwinden. Dafür wurden Löcher in den Wall gerissen und das Erdreich aufgeschüttet, eine Katastrophe für den Denkmalschutz. Mitarbeiter des Grünflächenamts werden die Löcher demnächst schließen; mit dem Spaten, denn schweres Gerät darf hier auf keinen Fall zum Einsatz kommen.

Mit dem Aufkommen der Mountainbikes in den 80er-Jahren begann der Freizeitdruck im idyllischen Wald an der Werse, berichtet Stadtförster Hans-Ulrich Menke. In den 90ern sollen ganze Schulklassen mit ihren Sportlehrern hier angerückt sein. Daraufhin begann die Stadt mit einer Informationskampagne an den Schulen, stellte Infotafeln auf, sicherte die Wege mit „Dackelzäunen“ aus stabilen Bohlen, schloss Trampelpfade mit Baumstämmen und Gesträuch und füllte Lücken auf. Zehn Jahre lang herrschte an der Haskenau Ruhe, sagt Menke. Jetzt sei es schlimmer als je zuvor.

Natürlich sei es verboten, das Bodendenkmal zu beschädigen. Wer bei dieser Ordnungswidrigkeit erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Aber wie lässt sich das abgelegene Gelände, das sich als Wasserschutzgebiet im Eigentum der Stadtwerke befindet, effektiv überwachen? Mehr als Stichproben sind nicht drin.

Eine Anwohnerin berichtet, dass an der Haskenau wie auf dem benachbarten Truppenübungsplatz Dorbaum häufig Mountainbiker aber auch Kradfahrer auf geländegängigen Maschinen ohne Kennzeichen zu beobachten seien. Vor ein paar Wochen habe sie die Polizei verständigt. Dort habe man ihr jedoch wenig Hoffnung gemacht, dass ein Einsatz etwas nützen würde („Bis wir da sind, sind die weg...“)

Aurelia Dickers hofft, dass gerade jugendliche Mountainbiker nicht wissen, was sie tun – und setzt auf Information. Wer allerdings mit Kraftfahrzeugen anrücke und Sprungschanzen aufschütte, müsse mit Konsequenzen rechnen.

Grundsätzlich sei der Wald an der Haskenau mit seinem alten Baumbestand auch ein Erholungsgebiet, versichert Stadtförster Menke. Gegen Spaziergänger, die auf den Wegen bleiben, sei nichts einzuwenden – schließlich führen auch der Westfälische Friedensweg und der Jakobsweg hier entlang. Aber Mountainbiker seien im Dirtpark Berg Fidel definitiv besser aufgehoben.

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3765332?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F