Do., 28.01.2016

Flüchtlingskrise Städtische Mitarbeiter am Limit

Die Stadt Münster hat in der Oxford-Kaserne ein eigenes Erstaufnahme-Zentrum gegründet, durch das die Flüchtlinge besser integriert werden sollen. Unter anderem hier sind viele zusätzliche Verwaltungsmitarbeiter gefragt.

Die Stadt Münster hat in der Oxford-Kaserne ein eigenes Erstaufnahme-Zentrum gegründet, durch das die Flüchtlinge besser integriert werden sollen. Unter anderem hier sind viele zusätzliche Verwaltungsmitarbeiter gefragt. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Münsters Stadtverwaltung ächzt unter der Mehrarbeit – ausgelöst durch die hohe Zahl an Flüchtlingen. Viele Abteilungen sind überlastet, neue Mitarbeiter kaum zu finden.

Von Dirk Anger, Karin Völker

Teile der münsterischen Stadtverwaltung gehen offenbar auf dem Zahnfleisch. Die wachsenden Anforderungen durch den stetigen Zuzug an Flüchtlingen bringen die Mitarbeiter inzwischen ans Limit. „In einigen Bereichen ist eine Überlastungssituation gegeben“, fasst Personaldezernent Wolfgang Heuer die aktuelle Situation zusammen.

In der vergangenen Woche schickte eine Handvoll Amtsleiter einen Hilferuf an Heuer. Ihre dringende Bitte: mehr Mitarbeiter, schnellere Stellenbesetzungen. Zugleich ist nach den Worten des Personaldezernenten die Zahl der sogenannten Überlastungsanzeigen, wenn sich Mitarbeiter nicht mehr in der Lage sehen, ihre Arbeit zu schaffen, merklich angestiegen. Für den Personalverantwortlichen der Stadt ein „dringendes Alarm­signal“.

Hoffnung auf eine Entspannung der Druck-Situation gibt es indes nur wenig, wie Heuer trotz intensiver Suche am Arbeitsmarkt einräumen muss: „Alle Kommunen in Deutschland suchen wegen der Flüchtlingskrise zurzeit dasselbe Personal.“ Einziger Ausweg: „Eine Flexibilisierung der Anforderungsprofile“.

In Münster herrscht im Gegensatz zu anderen Kommunen zudem eine verschärfte Situation: Als ohnehin schon wachsende Stadt verdoppeln sich durch die große Zahl an Flüchtlingen die Probleme in den Bereichen Wohnen, Schule, Kinderbetreuung sowie Soziales und Flüchtlingsintegration. „Dafür reichen die derzeitigen Ressourcen in Teilen der Verwaltung nicht aus.“ Schon in der Vergangenheit habe man mit Abordnungen von Mitarbeitern etwa aus dem Tiefbauamt zum Sozialamt versucht, die Lage zu entspannen. „Aber faktisch reicht das nicht aus“, stellt der Personaldezernent angesichts der „enormen Bedarfe“ fest.

Dabei verhehlt Heuer nicht, dass die Rathauspolitik schon in der jüngeren Vergangenheit den Weg für neue Stellen freigemacht hat: „Wir haben zwar in den letzten eineinhalb Jahren bereits 93 Stellen alleine im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbetreuung eingerichtet – die meisten davon befristet.“ Jetzt will Heuer verstärkt freie Träger in die Flüchtlingsbetreuung einbinden. Dieser Weg sei richtigerweise durch eine Ratsvorlage angestoßen worden.

Mit Sorge betrachtet Personalrat Jochen Lüken die Lage: „Die Stadt ächzt unter den Belastungen.“ Er spricht von aktuell noch 200 Auswahlverfahren für Stellen, die abgearbeitet werden müssen. Denn neben den Belastungen durch die Flüchtlingskrise trifft die Verwaltung parallel das verstärkte Ausscheiden älterer Mitarbeiter im Zuge einer überalterten Stadtverwaltung.

Schul- und Jugenddezernent Thomas Paal sprach am Dienstagabend im Schullausschuss unumwunden von einer ,massiven Belastung des Personals“, deren Ende nicht absehbar sei. „Mit dem jetzt vorhandenen Personal ist es nicht zu machen“, so der Dezernent. Es geht etwa um die Planung von Schulerweiterungen, und um die Organisation der Beratung und Betreuung von Flüchtlingskindern.

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