Mi., 27.01.2016

Rede-Ecke Stille an Speakers‘ Corner: 2015 nur eine Anmeldung

Kaum nachgefragt: „Speakers` Corner“ an der Windthorststraße.

Kaum nachgefragt: „Speakers` Corner“ an der Windthorststraße. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Münsters öffentliche Rede-Ecke wird kaum genutzt. Das hatten nicht wenige schon bei deren Einrichtung befürchtet.

Von Dirk Anger

Es sollte der Ort in der Stadt werden für alle, die etwas zu sagen haben: Gemessen an diesem Anspruch geht es an Münsters „Speakers` Corner“ nach fast drei Jahren sehr beschaulich, um nicht zu sagen ruhig, zu. Ein Vergleich mit dem Vorbild in Londons Hyde-Park nimmt sich geradezu grotesk aus. Denn Münsters öffentliche Rede-Ecke gegenüber dem Museum für Lackkunst – als Alternative für die monatelang am Servatiiplatz aufbegehrende Occupy-Bewegung geschaffen – wird für den ursprünglichen Zweck quasi nicht mehr genutzt; eher mutet der Platz an wie ein Stillleben.

Im vergangenen Jahr wurde nur noch eine einzige Veranstaltung auf der eigens mit Bänken versehenen Örtlichkeit an der Windthorststraße bei der Stadt angemeldet; 2014 gab es gerade einmal drei Meldungen. Einzig im ersten Jahr mit 17 Veranstaltungen schien das Projekt Sinn zu machen.

„Es wäre schön, wenn der Platz stärker genutzt würde“, erklärt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. Schließlich handele es sich um ein gut gemeintes Angebot. Es war maßgeblich der damals frisch ins Amt gekommene Dezernent, der das Projekt „Speakers` Corner“ vorangetrieben hatte. Ziel war es, der gesellschaftskritischen Occupy-Bewegung eine Ausweichmöglichkeit zu geben. Schließlich hatte die Stadtverwaltung die Aktivisten ein Jahr lang am Servatiiplatz geduldet – allen Protesten von Anwohnern über Müll und Lärm zum Trotz.

Schon damals stieß dieser Kurs nicht auf ungeteilte Zustimmung. Auch in Kreisen der Stadtverwaltung wurde die Duldung der Demonstranten im Schatten des Iduna-Hochhauses kritisch gesehen. Gleiches galt später für die Einrichtung von „Speakers` Corner“. Angesichts der Nutzungsbilanz dürften sich die Kritiker von damals bestätigt sehen.

Personal- und Ordnungsdezernent Heuer sieht die Entwicklung derweil entspannt: „Speakers` Corner verursacht für uns keinen Aufwand.“ Ob man das Angebot aufgeben werde, sei nicht entschieden, sagt der Dezernent. Ohnehin gebe es drängendere Probleme, sagt Heuer unter Verweis auf die Herausforderungen bedingt durch die hohe Zahl an Flüchtlingen in der Stadt.

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