Do., 28.01.2016

Insekten als Nahrungsmittel Professor mag am liebsten Heuschrecken

Guido Ritter isst einen Wurm.

Guido Ritter isst einen Wurm. Foto: Fachhochschule Münster

Münster - 

In der RTL-Sendung „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ müssen die Teilnehmer jedes Jahr unter anderem Würmer, Raupen und Insekten essen. Was sagt ein Ernährungswissenschaftler dazu?

Insekten auf dem Speiseplan: Was vielen Zuschauern Ekel bereitet, gilt unter Experten als Nahrungsmittel der Zukunft, berichtet die Fachhochschule Münster in einer Pressemitteilung. Prof. Dr. Guido Ritter, Ernährungswissenschaftler am Fachbereich Oecotrophologie – Facility Management der Fachhochschule Münster, weiß, warum.

Herr Prof. Ritter, viele Menschen in Europa ekeln sich vor Raupen, Kakerlaken oder anderen Insekten. Wie kann es sein, dass so etwas als Nahrungsmittel der Zukunft bezeichnet wird?

Prof. Dr. Guido Ritter: Weltweit gesehen ist es eher überraschend, dass wir das mit Ekel verbinden. Derzeit ernähren sich etwa zwei Milliarden Menschen jeden Tag von Insekten. Bei uns gilt das als Tabu – aber das war auch nicht immer so. Zur Zeit der Jäger und Sammler waren Insekten für die Menschen willkommene Eiweißlieferanten. Dann kamen Viehzucht und Industrialisierung und sie verschwanden vom Speiseplan. Man assoziierte diese Tiere zudem immer mehr mit unhygienischen Verhältnissen. Kinder wurden so erzogen: Insekten sind dreckig – was nicht unbedingt stimmen muss. Dass wir die Tiere mit Ekel verbinden, hat also auch einen soziokulturellen Hintergrund. Heute gelten Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft, weil wir durch die steigenden Bevölkerungszahlen irgendwann vor dem Problem stehen werden, dass wir nicht genug Eiweiß für die Ernährung der Menschen zur Verfügung stellen können. Diesen Eiweiß-Engpass könnten wir mit Insekten als Nahrungsmittel überbrücken, denn sie verfügen über einen großen Anteil an ernährungsphysiologisch hochwertigem Eiweiß. So gesehen können sie ein wertvolles Lebensmittel sein, für dessen Produktion ein sehr geringer Einsatz von Ressourcen notwendig ist.

Fotostrecke: Ich bin ein Star, holt mich hier raus!

Aber wie soll das in Anbetracht der etablierten Ablehnung gegenüber diesen Tieren funktionieren?

Ritter: Das ist zum einen sicher eine Kopfsache. Zum anderen ist es eine Frage der Verarbeitung. Wenn Sie beispielsweise ein Mehl aus Insekten herstellen, daraus einen Burger formen, aus dem weder Beinchen noch Fühler oder Ähnliches herausschauen, dann wird das sicher akzeptiert. Ähnlich ist es ja auch jetzt schon. Ein Schnitzel oder ein Filet-Stück – das ist vom Aussehen her sehr weit weg von dem Tier, von dem es stammt. Man muss da sicher auch Geduld mitbringen. Aber denken Sie mal an Sushi. Als das in Europa aufkam haben die meisten gesagt: „Das ist roher Fisch – das esse ich nicht!“ Heute findet man es in fast jedem Supermarkt.

Angenommen, ich würde mir das Finale des RTL-Dschungelcamps anschauen und als Snack ein paar Insekten mit vor den Fernseher nehmen wollen: Welche würden Sie mir empfehlen, wo bekomme ich sie her und wie bereite ich sie zu?

Ritter: Mein Favorit sind Heuschrecken. Die schmecken mir am besten, weil sie den intensivsten Geschmack haben. Intensiv meint dabei nichts Ungewöhnliches – sie schmecken angenehm nussig. Grillen zum Beispiel mag ich eher weniger – die haben oft nur wenig oder gar keinen Eigengeschmack. In Europa gibt es bereits Züchter, die Insekten anbieten. Da wird man im Internet schnell fündig. Verkauft werden sie meist gefriergetrocknet oder schon fertig frittiert. Allerdings sollte man darauf achten, dass der Verkäufer die Lebensmittelqualität garantiert und sich an die geltenden rechtlichen Bestimmungen hält, die gewährleisten, dass das Produkt gesundheitlich unbedenklich ist. Die Zubereitung ist dann relativ simpel – man muss sie nur ein bisschen in der Pfanne anrösten.

Fotostrecke: Dschungelcamp 2016

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