Mo., 01.02.2016

Tennengericht Kötter poliert die Lottokugeln

Lottochef Andreas Kötter hatte seine Lostrommel beim Tennengericht dabei. Unter Aufsicht des Ziehungsbeamten, Paohlbürger-Ehrensenatschef Heinz Seeger (links), zog er die Glückskugel für Münsterland-Ballonfreifahrten.

Lottochef Andreas Kötter hatte seine Lostrommel beim Tennengericht dabei. Unter Aufsicht des Ziehungsbeamten, Paohlbürger-Ehrensenatschef Heinz Seeger (links), zog er die Glückskugel für Münsterland-Ballonfreifahrten. Foto: hpe

Münster - 

Der Richter beim närrischen Tennengericht ließ wieder einmal Milde walten: Die Angeklagten, unter ihnen NRW-Umweltminister Johannes Remmel, kamen noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Von Helmut P. Etzkorn

Comedian Matze Knop zeigte sich am Sonntag vor dem närrischen Tennengericht der Paohlbürger schuldbewusst. Weil der „Baron von Spaß und Ulk“ als Stimmenimitator nicht nur Franz Beckenbauer und Dieter Bohlen fast in den jecken Wahnsinn trieb, will er nun ganz freiwillig in den Knast. „Ich gehe nach Bayern und übernehme die Zelle von Hoeneß“, meinte der Sänger und Moderator.

Richter Bernd Tepe, der als wortwitziger Moderator ein gelungenes Debüt hatte, darf sich zusammen mit seinen Kollegen Armin Halle und Hermann Beckfeld auch noch gratis die neue Knop-Show „Diagnose dicke Hose“ am 24. Februar in der Aasee-Aula anschauen.

Lotto-Chef Andreas Kötter hatte sein Glücksspielgerät gleich dabei, aus der Trommel wurden Freiflüge im Lotto-Ballon verlost. Eigentlich schon ein Garant für den Freispruch, zumal die Robenträger reichlich mit Rubbellosen versorgt wurden. Doch Kötter legte nach und erklärte den Unterschied zwischen Kirchensteuer und Lottokugeln: „Die Kirche verspricht ewiges Leben. Ich habe aber noch nie einen Gewinner gesehen!“ Seinen Berufsalltag schilderte Kötter als „verdammt hart“. Montags im Tresor an der Weseler Straße Geldscheine wenden und die 49 Kugeln polieren, das sei „anstrengend“.

Nicht richtig gefordert wurde NRW-Umweltminister Johannes Remmel. „Er fördert mit dem neuen Jagdgesetz in seiner irrationalen Tierliebe die millionenfache Vermehrung von wildlebenden Katzen“, stand in der Anklageschrift. Darauf eingehen konnte er nicht. Remmel blieb nur noch schnell, auf seine Verdienste im sauerländischen Karneval hinzuweisen. Dann gab es einen Biomöhrchen-Orden für den „Robin Hood der Verbraucher“. Man hätte wesentlich mehr aus dem grünen Politiker rauskitzeln können. Acht Minuten Remmel bei drei Stunden Tennengericht sind wohl eine vertane Chance.

Jovel-Chef Steffi Stephan plauderte ein wenig aus der Bühnenzeit, als es auch mal Tomaten an den Kopf statt Blumen in den Arm gab. Für das Paohlbürger-Museum stiftete er eine Gitarre, die wurde vom Sportreporter-Legende Werner Hansch versteigert. 740 Euro zahlte Prinz Bernard dafür.

Das Schlager-Duo Judith & Mel gefiel mit klassisch-authentischer Volksmusik und konnte sich von seinen Handschellen „freisingen“. Schließlich Komiker Jochen Knust, der als „Ritter aussem Pott“ und bekennender BVB-Fan natürlich nicht viel Rühmliches über die Erzfeinde in Schalke erzählen konnte. Weil die Mehrheit im Saal schwarz-gelb tickt, blieb auch „Günna“ der jecke Knast erspart.

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