Di., 02.02.2016

Impfambulanz registriert Informationsbedarf Stechende Fragen zum Zika-Virus

Stechmücken übertragen das Zika-Virus.

Stechmücken übertragen das Zika-Virus. Foto: dpa

Münster - 

Das Zika-Virus löst auch in Münster vermehrt besorgte Nachfragen bei Experten aus. Die aber warnen vor einer Hysterie.

Von Dirk Anger

In der Impfsprechstunde des Universitätsklinikums löst das in Brasilien rasant um sich greifende Zika-Virus inzwischen immer mehr besorgte Nachfragen aus. Das berichtet Prof. Dr. Georg Peters. Im gleichen Atemzug warnt der Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie: „In Deutschland gibt es keinen Anlass für Hysterie oder Panik.“ Und wenn nun teilweise sogar von einer globalen Bedrohung die Rede ist, schränkt der münsterische Mediziner ein: „Wir reden nicht von Ebola und Influenza.“

Gleichwohl will Peters das Problem rund das Zika-Virus nicht kleinreden: Insbesondere Schwangeren und jungen Frauen rät der Mediziner von einer Reise nach Brasilien oder an andere Orte, wo das Virus vermehrt lauert, ab – auch wenn noch gar nicht wissenschaftlich bewiesen sei, ob das von Stechmücken übertragene Zika-Virus tatsächlich für die zahlreich registrierten schweren Missbildungen bei Kindern in Brasilien ursächlich ist. „Eine ganz schwierige Gemengelage“, so Peters` zurückhaltende Einschätzung der Situation.

Fehlende Impfstoffe und Medikamente

Fest steht für den Mikrobiologen nur: „Es ist fast unmöglich, sich gegen die auch tagaktive Mücke zu schützen.“ In diesem Wissen hält der Mediziner bei den genannten Personengruppen Vorsicht für angebracht. „Denn es gibt keinen Impfstoff und keine Medikamente gegen das Virus – auch keine Therapie.“

In der Regel, so der Experte, verlaufe eine Infektion mit dem Virus eigentlich unbemerkt. „Für den Betroffenen selbst hat es meist keine Relevanz.“ In einigen Fällen seien jedoch grippeähnliche Symptome ein Hinweis darauf: Muskel-, Gelenk- und Gliederschmerzen sowie Nachtschweiß oder leichtes Fieber.

Besonders betroffene Gebiete sind laut Peters Südamerika und Afrika. Eine Virus-Ausbreitung erwartet der Experte allerdings auch für Haiti und damit für das bei Deutschen beliebte Urlaubsland Dominikanische Republik. Das Problem: „Der größte Teil der Weltbevölkerung hat keine Anti-Körper im Blut.“

Wissenschaftliche Lücke

Grundsätzlich können auch Brasilien-Reisende bei ihrer Heimkehr nach Deutschland das Virus ins Land tragen. Für eine mögliche Übertragung komme die inzwischen in Süddeutschland festgestellte Tiger­mücke in Betracht. Panikmache hält der Mediziner deshalb aber noch lange nicht für angebracht. Zunächst müsse die Mücke einen Infizierten stechen, ehe bei der nächsten Blutmahlzeit überhaupt eine Virus-Übertragung möglich sei.

Das Zika-Virus selbst ist laut Peters schon seit den 50er Jahren bekannt. Allerdings gebe es weltweit kaum jemanden, der sich aktuell wissenschaftlich damit beschäftigte. Erstmals isoliert worden ist das Virus laut Peters bei Affen im Zika-Wald in Uganda.



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