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Sa., 06.02.2016

Neue Ausstellung im Stadtmuseum Der Horror des Krieges in 3-D

Mit 3-D-Brillen: Dr. Barbara Rommé (Leiterin des Stadtmuseums) mit Stephan Sagurna vom LWL-Medienzentrum für Westfalen.

Mit 3-D-Brillen: Dr. Barbara Rommé (Leiterin des Stadtmuseums) mit Stephan Sagurna vom LWL-Medienzentrum für Westfalen. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Eine außergewöhnliche Ausstellung ist ab sofort im Stadtmuseum Münster zu sehen. Präsentiert werden Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg, die damals von Spezialkameras in 3-D geschossen wurden.

Von Martin Kalitschke

Zu Beginn scheint der Erste Weltkrieg nicht mehr als ein großes Abenteuer zu sein. Junge Soldaten posieren auf einer Wiese für ein launiges Gruppenfoto, neben ihnen eine Flasche Wein. Wenige Wochen später sind die Soldaten bereits in Belgien einmarschiert, „feudale Einquartierung“ steht unter einem Foto, das drei Soldaten in einer mondänen Villa zeigt, deren rechtmäßige Besitzer „evakuiert“ wurden. Von der Villa geht es kurz darauf an die Front, und dort entfaltet der Krieg mit einem Mal seine ganze Grausamkeit: Die Bilder, die hier gemacht wurden, zeigen Kampfgräben, Granaten, Leichen.

Eine Auswahl von Hunderten Fotos, die die beiden Weltkriegssoldaten Klaus Bußhoff und Otto Mötje geschossen haben, ist ab sofort im Rahmen der Sonderausstellung „Front 14/18 – Der Erste Weltkrieg in 3-D“ im Stadtmuseum zu sehen. Das Besondere: Sie wurden vor 100 Jahren mit einer Spezialkamera angefertigt. Die Stereoskopien sind dreidimensional, „weil das damals gerade in Mode war“, wie Organisator Stephan Sagurna vom LWL-Medienzentrum berichtet.

Insgesamt 40 Aufnahmen werden gezeigt, die 3-D-Brillen gibt es dazu. Dass Soldaten im Ersten Weltkrieg Fotos quasi fürs Familienalbum anfertigten, ist laut Sa­gurna nicht ungewöhnlich: Wer fotografierte, brauchte zwar eine Erlaubnis, konnte dann aber ablichten, was er wollte. Auch wenn einige Fotos in der Ausstellung offensichtlich inszeniert wurden, unterscheiden sie sich doch deutlich von der offiziellen Propagandafotografie. So sind Bilder von Latrinen, erlegten Ratten und einem Lager-Kino zu sehen.

„Die Bilder vermitteln unverstellte Einsichten in den Alltag des Stellungskrieges, wie man sie bisher selten gesehen hat“, so Kurator Dr. Volker Jakob vom LWL. Entsprechend groß war beim Medienzentrum die Freude, als sich Nachfahren der Soldaten meldeten und von ihrem Fotoschatz berichteten. Bußhoff fiel übrigens gegen Ende des Krieges, Mötje überlebte.

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Die Ausstellung läuft bis zum 7. April im Stadtmuseum.



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