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Sa., 06.02.2016

Chemikalien-Missbrauch verhindern Größte Vorsicht in Baumärkten

Ein Kriminalhautkommissar hält ein Handbuch zur Herstellung von Schwarzpulver in den Händen. Hinter ihm stehen verschiedene Chemikalien auf einem Tisch.

Ein Kriminalhautkommissar hält ein Handbuch zur Herstellung von Schwarzpulver in den Händen. Hinter ihm stehen verschiedene Chemikalien auf einem Tisch. Foto: dpa

Münster - 

Wenn Terroristen Sprengsätze bauen wollen, benötigen sie dafür Chemikalien. Nach dem versuchten Chemikalien-Kauf in einem Kölner Baumarkt sind Mitarbeiter sensibilisiert – auch in Münster.

Von Karin Höller

Nach dem jüngsten Vorfall in Köln sind die Mitarbeiter in den Baumärkten noch vorsichtiger geworden, was den Verkauf größerer Mengen von Chemikalien aus dem Reinigungs- und Düngemittelsektor angeht, die für den Bau von Bomben zweckentfremdet werden könnten. In der Hornbach-Zentrale in Bornheim möchte man sich wegen eines Vorfalls aus dem vergangenen Jahr, als ein der Islamisten-Szene zugerechnetes Paar mehrere Liter Wasserstoffperoxid sowie Brennspiritus in einem Frankfurter Hornbach-Markt gekauft hatte, nicht zum Thema äußern. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Bombenbauer aus Oberursel „hat ja gerade erst begonnen“, heißt es in der Hornbach-Pressestelle.

Auskunftsfreudiger zeigt man sich im münsterischen Fachzentrum Bauhaus. Hier gebe es generell die Verpflichtung der Mitarbeiter an der Kasse, beim Verkauf größerer Mengen bestimmter Produktgruppen die Geschäftsleitung zu informieren, erklärt der stellvertretende Geschäftsführer Reinhold Bißlich. Dies gelte beispielsweise für Ammoniumnitrat, das normalerweise als Dünger gedacht sei oder für Brennspiritus. Bisher, so Bißlich, „hat es einen solchen Fall bei uns glücklicherweise nicht gegeben“.

Und bisher sind die bundesweit bekannt gewordenen Fälle dank der Aufmerksamkeit des Baumarkt-Personals glimpflich ausgegangen. Ein Sprecher des Branchenverbandes Heimwerken Bauen Garten führt dies unter anderem auf die regelmäßig stattfindenden Schulungen zu Sicherheitsvorschriften beim Verkauf explosiver Stoffe zurück. Die gesetzliche Meldepflicht beim Verkauf regele zwar die „Explosiv Grundstoff Verordnung“. Letztendlich bleibe aber ein Ermessensspielraum des Verkaufsmitarbeiters. Stufe er den Kauf als „verdächtige Transaktion“ ein, bestehe eine Meldepflicht bei der Polizei.

„Wir nehmen dieses Thema sehr ernst“, erklärt dazu die Sprecherin der Baumarktkette Hellweg, Catherina Tamler. „Die Präsentation und der Verkauf aller Wasserstoffperoxid-haltigen und vergleichbaren Produkte in unseren Märkten erfolgt nach den Vorgaben der Chemikalienverbotsverordnung. Die Artikel unterliegen einem Selbstbedienungsverbot und werden ausschließlich durch geschulte und sachkundige, das heißt, behördlich geprüfte Mitarbeiter herausgegeben.“ Die Anwender würden über etwaige Gefahren der Verwendung, notwendige Vorsichts- und Entsorgungsmaßnahmen informiert. Beim Verkauf größerer Mengen, so Tamler, „wird nach der geplanten Verwendung gefragt, außerdem werden diese Verkäufe in einem Aufgabenbuch erfasst.“ Bei Ungereimtheiten werde der Verkauf abgelehnt und die Marktleitung sowie gegebenenfalls die Polizei informiert.



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