Fr., 05.02.2016

Friedenssaal gereinigt Mit Spucke gegen den Staub

37 Gemälde haben Maike Schmädecker (l.) und Nora Möller vom Stadtmuseum mit ihrem eigenen Speichel gereinigt.

37 Gemälde haben Maike Schmädecker (l.) und Nora Möller vom Stadtmuseum mit ihrem eigenen Speichel gereinigt. Foto: kal

Münster - 

Der Friedenssaal ist in dieser Woche zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder gründlich gereinigt worden – und das auf durchaus unkonventionelle Art und Weise...

Von Martin Kalitschke

Der Friedenssaal erstrahlt seit Freitag in neuem Glanz. Und das ist vor allem Nora Möller, Restauratorin im Stadtmuseum, und ihrem Team zu verdanken, die in den vergangenen Tagen mit einer gehörigen Portion Geduld und Spucke Mobiliar, Baldachin und 37 Gemälde gereinigt haben.

Und das durchaus im wörtlichen Sinn: Eine Woche lang säuberten Möller und ihre Kollegen Holzmöbel und alte Ölbilder mit Hilfe ihres eigenen Speichels. Den beförderten sie auf kleine Wattetupfer, mit denen sie anschließend die zu reinigenden Objekte abtupften. Nicht nur Süßigkeiten waren während der Arbeit tabu, sondern auch Kaffee – damit keine Säure auf den historischen Schätzen landet. „Wir durften nur Wasser trinken“, sagt Nora Möller. Warum diese ungewöhnliche Reinigungsmethode? „Speichel enthält Enzyme, mit denen man gut Staub und Schmutz entfernen kann“, berichtet die Restauratorin. Nebenbei: Nach der Säuberung von Bildern und Gemälden wurden diese natürlich auch noch vorsichtig mit Wasser abgetupft – und so alle Speichel-Spuren beseitigt.

Alle fünf Jahre wird der Friedenssaal auf diese Weise generalüberholt, sagt Nora Möller. Viele Tausend Besucher haben in diesem Zeitraum den Ort des Westfälischen Friedensschlusses besucht und Staub hinterlassen, der – wenn er nicht entfernt wird – dafür verantwortlich sein kann, wenn Feuchtigkeit in die historischen Objekte eindringt. Das Stadtmuseum rückt deshalb regelmäßig mit Feudeln, Staubsaugern und Wattestäbchen an.

„Jetzt glänzen die Gemälde wieder schön seidig“, schwärmt Nora Möller, als sie auf die Galerie an der Westwand des Friedenssaales schaut. Es sei etwas ganz Besonderes gewesen, eine Woche im Friedenssaal zu arbeiten, versichert sie. „Wann hat man sonst die Gelegenheit, sich diesen Ort aus jedem Winkel anzuschauen?“ Beim Reinigen der Gemälde sei es zudem möglich gewesen, nahezu jeden Pinselstrich, den der Maler der Porträts vor mehr als 350 Jahren machte, zu erkennen. Auch Maike Schmädecker, Jahrespraktikantin im Stadtmuseum, war von der Aufgabe begeistert: „Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man vor den Kunstwerken steht und sagen kann: Genauso stand damals der Künstler davor.“

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