Di., 09.02.2016

Abgesagter Rosenmontagszug „Im Nachhinein die Gelackmeierten“

Abgesagter Rosenmontagszug : „Im Nachhinein die Gelackmeierten“

Foto: Presseamt der Stadt Münster/ Colourbox.de/ Jürgen Christ

Münster - 

Der Sturm am Rosenmontag fiel schwächer aus als vorhergesagt. Wurde der Zug daher vorschnell abgesagt? Nein, meint Feuerwehrchef Benno Fritzen mit Blick auf den Zeitpunkt der Entscheidung...

Von Martin Kalitschke

Nur Sturm statt Orkan, nur Windstärke 8 statt – mindestens – Windstärke 9: „Mit Blick auf den Wetterverlauf am Rosenmontag stehen wir im Nachhinein als die Gelackmeierten dar“, räumt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer am Tag nach der Zugabsage ein. Dennoch: Zum Zeitpunkt der Entscheidung, also am Sonntagabend, sei es richtig gewesen, den Zug abzublasen – schließlich hätten alle Wetterdienste eine schwere Sturmlage vorhergesagt. Zugleich sei seine Skepsis gegenüber Wetterprognosen gewachsen, sagt Heuer: „Die Erfahrung vom Rosenmontag werden wir daher bei zukünftigen Entscheidung berücksichtigen.“

Nach einem stürmischen Start verlief der Rosenmontag just in jenem Zeitraum, in dem der Zug durch die Stadt gerollt wäre, eher ruhig. Lediglich zwei Böen der Stärke 8 wurden gemessen. Erst abends gab es Böen von bis zu 80 km/h. Tags zuvor waren für Rosenmontag Böen von bis zu 90 km/h angekündigt worden.

Hat der Bürgerausschuss Münsterscher Karneval (BMK) den Zug – nach Anraten von Feuerwehr, Verwaltung und Polizei – vorschnell gekippt? Nein, meint Feuerwehr-Chef Benno Fritzen: „Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung“ – weil Deutscher Wetterdienst (DWD) und Unwetterzentrale.de am Sonntagabend gleichlautend Böen der Stärke 9 prognostiziert hatten und keine Rede davon gewesen sei, dass sich der Sturm am Rosenmontag vorübergehend abschwächt. Fritzen betont, dass bei Stärke 9 nicht nur die Wagen gefährdet gewesen wären, sondern auch Fußtruppen und Zuschauer. „Bei dieser Windstärke können leichte Gebäudeteile herabstürzen.“ Hätte der Zug stattgefunden und wäre etwas passiert, dann hätten die Veranstalter gehaftet. BMK-Chef Rolf Jungenblut stellt klar: „Wir müssen uns auf das verlassen, was amtliche Wetterdienste herausgeben. Sollte ich das ignorieren und es passiert etwas, wäre ich ein Fall für den Staatsanwalt.“

Jürgen Weiss von Meteo-group betont, dass sein Wetterdienst bereits am Sonntag eine vorübergehende Windabschwächung für Rosenmontags errechnet hatte.

Franz Molé vom Deutschen Wetterdienst widerspricht: Die vom DWD angekündigten Gewitter mit schweren Böen seien über Mittag tatsächlich durchgezogen – allerdings etwas nördlich und etwas südlich von Münster. Die genaue Zugbahn habe man nicht vorhersagen können. Der DWD hielt daher auch am Montagmorgen seine Unwetterwarnung für den gesamten Tag weiter aufrecht. Für Heuer ist es daher fraglich, ob eine Verschiebung der Entscheidung auf Montag – wie in Düsseldorf geschehen – ein anderes Ergebnis gebracht hätte.

In Zukunft will der Dezernent die Entscheidung über eine Zugabsage auf ein festeres Fundament stellen. In den kommenden Monaten soll in der Verwaltung und mit dem BMK darüber gesprochen werden, ob man das Sicherheitskonzept für Rosenmontag mit Blick auf Unwetterwarnungen anpasst – also Kriterien festlegt, wann es zu einer Absage kommt und wann nicht.

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