Mo., 15.02.2016

Betroffene gründen Landesverband Eine Stimme für ehrenamtlich Pflegende

Susanne Hallermann ist Vorstandsmitglied des neuen Landesverbandes NRW für pflegende Angehörige.

Susanne Hallermann ist Vorstandsmitglied des neuen Landesverbandes NRW für pflegende Angehörige. Foto: kv

Münster - 

Seit dem Wochenende ist Susanne Hallermann eines der Vorstandsmitglieder des neu gegründeten Landesverbandes NRW für pflegende und betreuende Angehörige.

Von Karin Völker

Sie sind ein Millionenheer in Deutschland: Menschen, die sich mehr oder weniger vollständig zu Hause der Pflege eines Angehörigen oder Freundes widmen, die Mehrheit von ihnen sind Frauen. „Viele haben notgedrungen ihren Beruf aufgegeben, erwerben so auch keine Rentenansprüche mehr und rutschen in die Armut ab“, sagt Susanne Hallermann.

Sie hat selbst 20 Jahre lang zuerst ihre Großmutter und dann ihren Vater gepflegt. Und dabei feststellen musste, dass Menschen die sich um einen Pflegebedürftigen kümmern, meist sehr allein dastehen, allein mit der emotionalen Belastung und beim bürokratischen Kampf mit Krankenkassen oder dem medizinischen Dienst.

Seit dem Wochenende ist Susanne Hallermann eines der Vorstandsmitglieder des neu gegründeten Landesverbandes NRW für pflegende und betreuende Angehörige. Die Gründung im Liudgerhaus in Münster hat die Frau aus Telgte selbst mit angeregt. Dabei waren 25 Gleichgesinnte aus ganz Nordrhein-Westfalen. Sie wollen ebenfalls daran mitwirken, dass die ehrenamtlich Pflegenden eine Stimme bekommen, ein Forum, bei dem sie ihre Interessen wirksam vertreten können.

„Wir wollen an die politischen Tische, wollen Entscheidungen in Parlamenten beeinflussen und ein Netzwerk der Selbsthilfe aufbauen“, sagt Hallermann. Der Verband NRW des bisher bestehenden Bundesverbandes sei deutschlandweit der erste Landesverband. „Wir erfahren viel Unterstützung“, freut sich Hallermann: Vertreter des paritätischen Wohlverbandes, der Pflege- und Unfallkassen signalisierten Unterstützung.

Pflegende Angehörige leisteten in der Gesellschaft unschätzbare Dienste, macht Hallermann deutlich. Von den 2,6 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland, die von den Pflegekassen Unterstützung erhalten, werden drei Viertel zu Hause gepflegt. Für diese Pflegebedürftigen zahlen die Kassen weitaus geringere Beträge als für stationär Untergebrachte. Statistiker haben errechnet, dass die Pflege eines Verwandten im Haushalt durchschnittlich 9,3 Jahre dauert. Bei der Verbandsgründung m Liudger­haus war eine Tochter dabei, die seit 51 Jahren ihre Mutter pflegt – begonnen hatte die schwere Aufgabe, als sie noch ein Kind war.

Für die engagierten Pflegenden bei der Gründungsversammlung ist klar, weshalb es so lange gedauert hat, bis endlich Strukturen für eine Organisation geschaffen wurden: Wer pflegt, sei oft von dieser Aufgabe völlig eingenommen, erschöpft und entsprechend isoliert, sagt Susanne Hallermann. Auch beim Gründungstreffen sagten mehrere Interessierte kurzfristig ab: Sie konnten den pflegebedürftigen Menschen zu Hause nicht allein lassen.

Zum Thema

Kontakt zum Landesverband „Wir pflegen NRW“ unter www.wir-pflegen.net oder Telefon 02504 / 6967725.

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