Di., 16.02.2016

Klang-Zeit-Festival 2016 Sechs ruhige Zeitgenossen aus dem Osten

Münster - 

Das „Klang-Zeit“-Festival blickte am Montag im Kleinen Haus des Theaters nach Osten. Es war ein Abend der stilleren Töne, des sparsameren Instrumentenaufgebots, der transparenten Klänge mit sechs Kompositionen aus Tadschikistan, Georgien und Kasachstan, aus Aserbaidschan, Armenien und Usbekistan.

Von Chr. Schulte im Walde

Es war ein Abend der stilleren Töne, des sparsameren Instrumentenaufgebots, der transparenten Klänge mit sechs Kompositionen aus Tadschikistan, Georgien und Kasachstan, aus Aserbaidschan, Armenien und Usbekistan. Das „Klang-Zeit“-Festival blickte am Montag im Kleinen Haus des Theaters nach Osten. Das ist weit, sehr weit. Und dennoch so nah an Europa, dass sich Komponisten der genannten Regionen allesamt (auch) nach Westen orientieren, was ihre künstlerische Arbeit angeht. Ohne je ihre Wurzeln zu vergessen, gar aufzugeben.

Eka Chabashvili etwa beschreibt in ihrem Sextett Fresken in georgischen Kirchen, malt mit lyrischen Farben und schließt jeden Satz mit einem Volkslied ihrer Heimat. Ähnlich urwüchsige Augenblicke finden sich in Frangis Ali-Sades „Fantasie“ für Solo-Gitarre, „würzt“ sie aber mit virtuosen, im Stil einer Toccata gebauten Elementen, um gleich wieder in den bestimmenden, ruhigen Grundduktus zurückzufinden.

Eine spannende, überraschend vielfarbige Begegnung haben die Interpreten, allesamt Studierende der Musikhochschule, für ihren „Klang-Zeit“-Auftritt zusammengestellt. Und wie es sich gehört, war auch eine Uraufführung mit dabei: „Painting in Sounds“ für Flöte, Gitarre und Vibrafon. Ihr Schöpfer: Rakhat-Bi Abdyssagin (Jahrgang 1999). Er dürfte wohl in jeder Hinsicht der jüngste Festival-Teilnehmer sein, sorgt aber schon seit geraumer Zeit auf dem Klavier international für Furore. Als Komponist hat er keine Angst vor schönen Tönen, originell ist seine musikalische Sprache allemal.

Aber dies gilt prinzipiell auch für Tigran Mansurjans „Lachrymae“ mit der bizarren und ungemein ausdrucksstarken Besetzung Sopransaxofon/Viola, für die kurze „Variation“ von Aziza Sadikova, die mit barocken Reminiszenzen aufwartet – und auch für Benjamin Yusupovs „Crossroads IV“, geprägt von religiösen Gesängen, die gleichermaßen von Juden wie von Moslems gesungen werden!

Neun Solistinnen und Solisten standen auf der Bühne, hoch motiviert und konzentriert – und in jedem Takt mit großem Engagement für die nicht ganz einfach umzusetzenden Partituren. Großartig!

Google-Anzeigen


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3812996?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F