Sa., 20.02.2016

Uraufführung von Jeffrey Ching beim „Klang-Zeit“-Festival „Salome“ trifft Konkubine

Familiäres Festival: Jeffrey Ching (Mitte) mit seinen Kindern und den Kuratoren Erhard Hirt (l.) und Reinbert Evers

Familiäres Festival: Jeffrey Ching (Mitte) mit seinen Kindern und den Kuratoren Erhard Hirt (l.) und Reinbert Evers Foto: cws

Münster - 

„Seventeen Ghosts“ heißt das Werk von Jeffrey Ching, das beim „Klang-Zeit“-Festival im Theater uraufgeführt wurde.

Von Chr. Schulte im Walde

Jeffrey Ching zählt zu den zurzeit wohl gefragtesten Komponisten in ganz Europa. 1965 auf den Philippinen als Sohn chinesischer Eltern geboren, Inhaber eines britischen Passes und mit seiner Familie in Berlin lebend, ist Ching gewiss ein Künstler, der haargenau zum Thema „Heimat“ passt. Um dieses dreht sich das am Sonntag zu Ende gehende „Klang-Zeit“-Festival. Dass am Donnerstag ein beinahe abendfüllendes Werk aus Chings Feder im Theater Münster seine Uraufführung erleben durfte, ist da schon eine kleine Sensation.

„Heimaten“ habe er viele – „oder keine“, meint Ching, auch in Bezug auf seine „Seventeen Ghosts“, mit deren Uraufführung sich elf Musiker und Dirigent Rene Gulikers beschäftigt haben. Zwei Welten begegnen sich da: die einer chinesischen Konkubine und die der „Salome“ von Oscar Wilde. Es begegnen sich auch disparate Klangwelten und bilden eine eigentümliche Melange aus Gamelan-Musik und Schumann-Zitaten, aus oratorienhaften Gesängen des Mezzosoprans und Fragmenten aus Klabunds „Der Kreidekreis“.

Jede Menge Futter für den Intellekt und das sinnliche Auffassungspotenzial des Publikums. Dem hätte vermutlich eine detaillierte Einführung in die Gedankenwelt Jeffrey Chings gut getan, um die prall gefüllten 60 Minuten Bühnenhandlung nachvollziehen zu können, die in einer langen kreisförmigen Prozession der Instrumentalisten gipfelte.

Wer dem tieferen Sinn dieser Geistergeschichte in drei Szenen nicht direkt folgen konnte, hielt sich am besten an die klanglich vielfältig ausgestalteten Ereignisse. Streichquartett und knallige Pauken hier, ostinat in tiefsten Tiefen flutendes Didgeridoo und samtig schwingendes Marimbaphon dort. Das war allemal ziemlich spannend. Fazit: Diese Uraufführung kann Anlass sein anzufangen, sich für dieses Stück näher zu interessieren.

Kurz und knackig dagegen waren die Meisterleistungen des Kölner Trios mit dem ebenso lakonischen wie sinnfälligen Namen „hand werk“. Bernhard Ganders „schlechtecharakterstücke“ ließ an Aggressivität nichts zu wünschen übrig; und was Streichern wie Pianist an grenzenloser mentaler wie physischer Energie abverlangt wurde, um Enno Poppes hoch komplexe Musik umzusetzen, machte geradezu sprachlos.

Google-Anzeigen


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3819397?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F