Sa., 20.02.2016

Stephan Mazoschek moderiert im GOP Eine gute Show ist wie Surfen

GOP-Showmaster Stephan Mazoschek blickt auf 30 Jahre Bühnenerfahrung zurück. Im Hintergrund proben die Trapez-Künstlerinnen Yolaine und Eva.

GOP-Showmaster Stephan Mazoschek blickt auf 30 Jahre Bühnenerfahrung zurück. Im Hintergrund proben die Trapez-Künstlerinnen Yolaine und Eva. Foto: bn

Münster - 

Der Münsteraner Stephan Mazoschek war nicht gerade der beste Schüler. Sein Studium brach er nach 16 Semestern ab. Was er machte? Er ist ins Show-Geschäft gegangen.

Von Günter Benning

Stephan Mazoschek könnte man vermutlich als Schulversager abhaken. „Drei Mal am Paulinum pappen geblieben", sagt er. Danach am Pascal lief es auch so lala.

Die Hochschulreife legte er extern ab. Design studierte er 16 Semester. Ohne Abschluss. Was soll aus so einem werden?

Am besten legt sich so einer erst mal ein Pseudonym zu: „Rick van Nöten“. Dann geht er zum Zirkus, macht ein bisschen Karriere. Und dann kommt er zurück, um die Münsteraner zu amüsieren.

Stephan „Stevie“ Mazoschek kommt pünktlich um zwölf Uhr ins GOP. Stoppelbart, das Haar grau meliert, etwas müde. Jeden Tag moderiert er mit seinem alten Kumpel Ulrich Beckers („Ferdinand A. Fachblatt“) die aktuelle Varieté-Show. „Zwei Stunden, 40 Minuten Pause, dann wieder zwei Stunden“, sagt er. Das ist Schwerstarbeit.

Das Publikum will begeistert werden, man muss Kontakt aufnehmen. Moderieren, sagt Mazoschek, ist „Kommunikation“. Darum liebt er es.

Als Kind lebte Mazoschek an der Wolbecker Straße, im letzten Haus vor dem Kanal. Sein Vater, erfuhr er neulich, hatte mal im Gemeindekabarett einen Auftritt in Frauenkleidern. Der Großvater, ein Püttologe aus Tschechien, betörte mit seiner Quetschkommode die Mädels auf der Straße. Insgesamt gab es also eine gewisse erbliche Veranlagung zum Showbiz. Mit 13 Jahren coverte er geschickt Neil Young auf der Klampfe. Dann wechselte er das Instrument und machte sich mit 20 in einer Band namens „Interfred“ verdient, später auch bei „Creme fraîche“. 1987 schloss er sich der Comedy-Varietéshow „Parody Paradise“ an. Der musikalische Chef war ein gewisser Ferdinand A. Fachblatt – die Verbindung hält bis heute.

Aber da, wo er heute steht, nämlich auf der Bühne, wäre er ohne einen schillernden Münsteraner wohl doch nicht hingekommen. Hacki Ginda ging mit seinem Zelt-Theater auf die Reise. Mazoscheks Band war dabei. „Drei, vier Jahre“, sagt er, „haben wir kein Geld gesehen.“

Dann landeten die Kleinkünstler irgendwann in Berlin, in den Hackeschen Höfen, heruntergekommen damals. Und sie gründeten 1991 das „Chamäleon“. „Wir haben rumgestümpert“, grinst Mazoschek, der es mittlerweile zum Moderator gebracht hatte, „aber es war ein Megaerfolg.“ Das Time Magazine, El Pais – alle berichteten über die Berliner Szene. Hacki Ginda half dann 2000 in Münster beim Aufbau des Roland-Frosch-Theaters.

Hier wie dort kam allerdings das wirtschaftliche Aus. Clowns haben nicht unbedingt Geschäftssinn, sagt Mazoschek. In Berlin wie in Münster stiegen Profi-Bühnen ein.

Seit Jahren arbeitet er jetzt mit dem GOP zusammen. Und er genießt die Arbeit: „Wenn es läuft, ist es wie Surfen.“ Rick van Nöten und Ferdinand Fachblatt firmieren als „lonely husBand“ mit dem „Charme einer Boy Band, die einen Clown gefrühstückt hat“.

Daneben hat Mazoschek auch noch andere Projekte. Er lebt in Berlin-Schöneberg, bespielt dort gelegentlich einen Comedy-Bus. Und mit seiner Lebensgefährtin ist er als Comedy-Songwriter-Duo unterwegs: „Rein und Rick“. Im Mai spielen sie im Hiltruper Kulturbahnhof.

Und was sagt er Schülern mit Leistungsdellen in ihrem Leben? „Lasst Euch Zeit, genießt es“, sagt er, „wenn es sich noch mal ändert, nimmst Du einen anderen Weg.“



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3819787?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F