Mo., 22.02.2016

Finale des „Klang-Zeit“-Festivals in St. Lamberti Wenn Orgelpfeifen locker rocken

Gerrit Jordaan beendete mit einem Konzert in St. Lamberti das „Klang-Zeit“-Festival.

Gerrit Jordaan beendete mit einem Konzert in St. Lamberti das „Klang-Zeit“-Festival. Foto: Schulte im Walde

Münster - 

Orgelmusik vom Kap der Guten Hoffnung gab es zum Abschluss des „Klang-Zeit“-Festivals zu hören.

Von Chr. Schulte im Walde

Das letzte Wort am Sonntagabend hatte die Orgel – eigentlich ungewöhnlich für ein Festival mit Neuer Musik, eilt doch dem „klassischen“ Instrument der Kirche im Allgemeinen der Ruf voraus, für eine eher konservative musikalische Ausrichtung zu stehen. Mit diesem (Vor-)Urteil allerdings räumte Gastorganist Gerrit Jordaan beim Finale des „Klang-Zeit“-Festivals in der St.-Lamberti-Kirche gehörig auf.

Jordaan (1964 in Südafrika geboren) repräsentiert eine in Europa weitgehend unbekannte Orgel-Szene: die seiner Heimat. In der Tat sind dort unten rund ums Kap der Guten Hoffnung in den letzten 30, 40 Jahren Orgelkompositionen herausragender Qualität entstanden, die den Vergleich mit anspruchsvollen Partituren etwa eines Olivier Messiaen nicht zu scheuen brauchen.

Etwa die beiden „Afrika Hymnen“ des im Jahr 2014 verstorbenen Stefans Grové – zwei zentrale Werke in Jordaans vielleicht etwas zu lang geratenem Programm, das haargenau zum diesjährigen Festival-Thema „Neue Heimat“ passte. Denn Grové thematisiert ähnlich wie sein jüngerer Kollege Kevin Volans („Walking Song“) Lebenserfahrungen, Natureindrücke, traditionell überlieferte rituelle Klänge aus Südafrika. Beide nutzen die Orgel mal als perkussives Instrument mit „schrägen“ Rhythmen, mal als Medium für lyrisch ausgesungene Melodien oder bizarre Vogelstimmen.

Völlig andere Töne schlägt Surendran Reddy (1962-2010) an: Er lässt die Orgelpfeifen nämlich locker „rocken“ und „jazzen“, spart zudem nicht mit pianistischem Virtuosenfutter à la Chopin – Zuckerwatte als Krönchen auf einem prall gefüllten Festival mit 13 Konzerten und neun Uraufführungen.

Der künstlerische Ertrag dieser jüngsten „Klang-Zeit“-Ausgabe war reich, vielfältig und spannend die Begegnungen mit neuen Werken und deren Komponisten, darunter prominente Köpfe wie Jeffrey Ching, José Maria Sánchez-Verdú Enno Poppe und Ansgar Beste. Und thematisch traf der Konzertzyklus exakt den Nerv der Zeit.

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