Di., 01.03.2016

Nach jahrelangem Leerstand Flüchtlinge ziehen ins ehemalige Hauptzollamt

In das frühere Hauptzollamt an der Sonnenstraße ziehen ab heute Flüchtlinge ein. Kleine Fotos: Sozialarbeiter Jan Rothenbücher (l.) und Hausmeister Frank Geßmann in einem der Zimmer (oben); Sanitärcontainer im Hof (unten).

In das frühere Hauptzollamt an der Sonnenstraße ziehen ab heute Flüchtlinge ein. Kleine Fotos: Sozialarbeiter Jan Rothenbücher (l.) und Hausmeister Frank Geßmann in einem der Zimmer (oben); Sanitärcontainer im Hof (unten). Foto: kal

Münster - 

Das ehemalige Hauptzollamt an der Sonnenstraße ist ab sofort eine Flüchtlingsunterkunft. 140 Menschen werden ab Mittwoch einziehen – die meisten stammen aus Syrien.

Von Martin Kalitschke

Die Spuren der rund vier Monate zurückliegenden Besetzung durch linke Aktivisten sind beseitigt. Mehr als 30 eingeschlagene Fenster mussten danach ausgetauscht, zahllose Graffiti von den Wänden entfernt werden, berichtet Frank Geßmann. Er ist Hausmeister im früheren Hauptzollamt an der Sonnenstraße, das vor der Besetzung jahrelang leer stand. Immerhin: Die illegale Aktion stieß eine Diskussion über die weitere Nutzung des Komplexes an.

Ab heute ziehen nun die ersten Flüchtlinge ein, bis Mitte kommender Woche wird ihre Zahl auf 140 steigen, berichtet Sozialarbeiter Jan Rothenbücher, der für die Betreuung der Zuzügler zuständig ist. Im Hauptgebäude werden für unbestimmte Zeit – die Rede ist von voraussichtlich zwei Jahren – 80 Familien mit Kindern untergebracht, im Nebengebäude 60 allein stehende Männer. Ein Sicherheitsdienst soll rund um die Uhr vor Ort sein, um den Brandschutz zu gewährleisten, wie die Stadt betont.

Am Dienstagabend öffnete die neue Flüchtlingseinrichtung im Herzen der Stadt ihre Türen für Interessierte, anschließend fand eine Bürgerinformation im Paul-Gerhardt-Haus statt. Anders als sonst bei solchen Veranstaltungen war das Interesse diesmal eher gering, nur ein paar Dutzend Bürger schauten sich das frühere Hauptzollamt an.

In den vergangenen Wochen war es für die neue Nutzung umgebaut worden. In den früheren Amtsstuben stehen nun Betten, Tische und Stühle, in einigen Zimmern Waschmaschinen. Es gibt Aufenthaltsräume – und weitere sanitäre Anlagen im Hof. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) überlässt die Gebäude der Stadt nach eigenen Angaben mietzinsfrei, zudem wird sie der Stadt die Ausgaben für die Herrichtung als Flüchtlingsunterkunft erstatten.

Die Menschen, die hier ab sofort leben, stammen nach Angaben von Thomas Schulze auf’m Hofe (Sozialamt) vor allem aus Syrien, Irak und Iran, einige auch aus Afghanistan und Eritrea. Im Nebenhaus werden zudem Männer aus Marokko und Algerien untergebracht. Einige lebten schon länger in Deutschland, einige kämen direkt aus einer Erstaufnahmeeinrichtung. Die Flüchtlinge sollen sich „erst einmal einleben“ – danach seien ehrenamtliche Helfer, zum Beispiel für eine Fahrradwerkstatt und Sprachunterricht, willkommen.



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