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Do., 03.03.2016

Alke Reeh und Johanna Reich beim Förderverein Aktuelle Kunst Unpassende Maße

Kleidsame „Vasen“: Alke Reeh zeigt beim FAK Skulpturen, die weder Vasen sein können, weil sie unten offen sind, noch tragbare Kleider darstellen, weil sie zu eng und zu schwer sind.

Kleidsame „Vasen“: Alke Reeh zeigt beim FAK Skulpturen, die weder Vasen sein können, weil sie unten offen sind, noch tragbare Kleider darstellen, weil sie zu eng und zu schwer sind. Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

Wie sehen eine junge und eine ältere Künstlerin Vorbilder und Maße von und für Frauen? „beauty is only skin-deep“ (Schönheit ist nur oberflächlich) heißt die Ausstellung beim Förderverein Aktuelle Kunst.

Von Gerhard H. Kock

Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Behauptete der Philosoph Protagoras. Dabei ist das Verhältnis von Maß und Mensch äußerst ambivalent. Wie auch die Ausstellung „beauty is only skin-deep“ (Schönheit ist nur oberflächlich) mit Arbeiten von Alke Reeh und Johanna Reich beim Förderverein Aktuelle Kunst zeigt. Die beiden Künstlerinnen setzen sich auf höchst unterschiedliche Weise mit den inneren und äußeren Maßstäben von Frauen auseinander.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Claudia Rinke (Bochum) und Thomas Hensolt (Essen), die für den Westdeutschen Künstlerbund zu dessen 70-Jährigen im Atelierhaus im Lincoln-Quartier vier Mal (März, Mai, September und Oktober) künstlerische Positionen vorstellen, bei denen junge auf ältere Künstler treffen: zum Auftakt Reich (Jahrgang 1977) auf Reeh (Jahrgang 1960).

Die Künstlerin Alke Reeh aus Düsseldorf stellt ihre Werkgruppe „Röcke und Schnittmuster“ vor. Keramische Skulpturen erinnern an Vasen. Indes der Boden fehlt. An der Wand hängen Fotomontagen, die die weißen Töpfereien in einen weiblichen Kontext setzen: Frauen „tragen“ Keramik. Allerdings sind die Kleider unpassend – unpassend eng und unpassend schwer. Sie werfen auch Fragen danach auf, wer für wen maßgebend ist: Kleider für Frauen oder Frauen für Kleider.

Die Kölnerin Reich (Absolventin der Kunstakademie Münster) stellt optisch „Heroinen“ und akustisch „Amazonen“ vor. Projektionen auf einer Wand zeigen Idole einiger Teenager von heute. In Münster zu sehen sind Yoko Ono, Patti Smith, Liz Tayler, Madonna sowie Nancy Spungen, ein Groupie von Punk-Bassist Sid Vicious (Sex Pistols), der sie möglicherweise erstochen hat. Über ihren Idolen sind die Mädchen projiziert. Nur durch kleine Bewegungen wird erkennbar, dass sie nicht identisch mit der Projektionsfläche „Star“ sind. Ein Bild für die manchmal schwierige Identitätsfindung in der Pubertät. Auf einer 90-minütigen Hördatei schildern junge und alte Frauen, die ihre Adoleszenz abgeschlossen haben, offen ihr Rollenverhalten sowie ihre Reibungspunkte und Idealvorstellungen. So berichtet eine MS-Kranke, wie sie sich entschlossen hat, trotzdem Kinder zu bekommen und zu studieren. Eine Frau, die im Krieg aufgewachsen ist, erinnert sich an ihre schöne Kindheit mit starken Frauen zu Hause.

Zum Thema

Die Ausstellung wird am Freitag (4. März) um 19 Uhr beim Förderverein Aktuelle Kunst, Fresnostraße 8, eröffnet. Bis 3. April.



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