Sa., 05.03.2016

Prof. Thomas Sternberg über die Arbeit als Präsident des ZdK-Präsidenten Unverbesserlicher Optimist

Prof. Dr. Thomas Sternberg. Der Chef im Franz-Hitze-Haus und CDU-Landtagsabgeordnete ist jetzt auch noch Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken.

Prof. Dr. Thomas Sternberg. Der Chef im Franz-Hitze-Haus und CDU-Landtagsabgeordnete ist jetzt auch noch Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken. Foto: Günter Benning

Münster - 

Seit 100 Tagen ist er im Amt. Thomas Sternberg, Noch-Chef des Franz Hitze-Hauses, Landtagsabgeordneter und Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken zieht Bilanz.

Seinen Vorgänger im Franz-Hitze-Haus, Albrecht Beckel, kann Thomas Sternberg nicht mehr toppen. Beckel war mal zwei Jahre Münsters Oberbürgermeister, CDU-Landtagsabgeordneter und Präsident des Zentralkomitees der deutscher Katholiken (ZdK) gleichzeitig. Sternberg, im November zum ZdK-Präsidenten gewählt, bleibt im Landtag, gibt aber den Chefposten im Franz-Hitze-Haus ab. Mit ihm sprach unser Redakteur Günter Benning.

Gerade ist die Stelle ihres Nachfolgers oder ihrer Nachfolgerin im Franz Hitze-Haus ausgeschrieben worden. Schmerzt das?

Sternberg: Abschied hat immer etwas Melancholisches. Für mich ist es ein merkwürdiges Gefühl, nach über 27 Jahren hier aufzugeben. Nur, der Abschied wäre sowieso gekommen – jetzt also etwas früher.

Sie haben die ZdK-Präsidentschaft in bewegten Zeiten übernommen. Der Katholikentag in Leipzig steht vor der Tür. Was machen Sie im Moment?

Sternberg: Die Leitung des Katholikentages gehört zu meinem Amt. So ist es entstanden. Ich werde in der nächsten Woche zweimal in Leipzig sein. Das sind lange Anfahrten. Aber nachher wird es einfacher. Ende Juni legen wir die Leitung für den Katholikentag in Münster fest, da sind die Wege kürzer.

Die katholische Kirche ist im Umbruch. Gerade haben wir es gemerkt, als der Pfarrer der Kreuzkirche erklärt hat, er gehe ins Kloster. Wie finden Sie das?

Sternberg: Ich war sehr überrascht, weil sich die Frage stellt, was das für die vielen bedeutet, die weiter aushalten, die nicht entmutigt werden. Ohne Frage erleben wir einen Prozess des Rückgangs, in den letzten 30, 40 Jahren hat sich viel verändert. Aber ich bin ein unverbesserlicher Optimist. Ich glaube nicht, dass es Gründe gäbe, um zu sagen, ich muss diese Kirche aufgeben.

Finden Sie die Diskussion nicht erstaunlich intensiv?

Sternberg: Ja, die ist intensiv. Frings ist ja ein beliebter Pfarrer mit witzigen Ideen. Aber ich glaube, die Situation ist nicht so brenzlig, wie er sie beschreibt. Ich frage mich, wer ist Kirche? Wer gehört dazu, wer nicht? Auch wer nur einmal im Jahr zur Kirche geht, geht regelmäßig. Können wir sagen, welche Impulse wir bei Menschen setzen, wenn wir sie in den Glauben einführen, sie zu Sakramenten zulassen? Was passiert in 20, 30 Jahren, wenn sie sich an ihre Erfahrung mit dem Glauben erinnern? Ich bin vorsichtig geworden, was die Abgrenzung unserer Gemeinden betrifft.

Das heißt, Glaubenserlebnisse prägen viele Menschen, egal, wie oft sie in der Kirche aufschlagen?

Sternberg: Ganz bestimmt. Und noch mal, es können Glaubenserlebnisse auch nach vielen Jahren zum Tragen kommen. Natürlich, ich wünschte mir eine viel lebendigere liturgische Aktivität und vollere Kirchen. Aber ich kann mich auch freuen, dass Kirchen immer wieder voll sind – und Begeisterung auslösen. Und ich bin stolz auf meine Kirche, wenn ich sehe, wie sich katholische und evangelische Männer und Frauen in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Was da passiert, gehört wesentlich zum christlichen Glauben dazu.

ZdK, das ist die Organisation der Laien. Wie haben sie den Widerspruch empfunden: Leipzig, die Stadt mit 4,3 Prozent Christen, finanziert den Katholikentag, Münster macht Sperenzien?

Sternberg: Münster hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Das hat mich gewundert. Zumal die höher verschuldete Stadt Dortmund ein paar Monate später eine Finanzierung von 2,3 Millionen für den evangelischen Kirchentag 2019 beschlossen hat. Ich habe den Eindruck, das hat mit antikirchlichen Tendenzen zu tun.

Antikirchlicher Ton – ist der nicht in Gegenden besonders groß, wo die Kirche auch stark ist?

Sternberg: Es liegt daran, dass man mit allen Mitteln versucht, deutlich zu machen, dass die Stadt, die als klerikal gilt, nicht klerikal ist. Man kämpft gegen dieses Image mit aller Vehemenz. Das kann verrückte Überschläge verursachen. Da ist man nicht bereit, Argumente wie das vom Oberbürgermeister von Mannheim zu hören. Der hat gesagt: Der Mannheimer Katholiken 2012 hat sich für die Stadt glänzend gerechnet.

Wie stehen Sie zum Papst?

Sternberg: Dieser Papst ist ein großes Geschenk für die Kirche. Wenn ich denke, dass er Dinge sagt, für die das Zentralkomitee der Katholiken vor ein paar Jahren noch als revolutionär und links bezeichnet worden wäre, dass er eine Bewegung in die Kirche bringt, die aufmischt und neues Nachdenken ermöglicht. Das sind eine Menge neuer Töne, die gut tun.

Wir sind ihre bisherigen Erfahrungen im Amt?

Sternberg: Ich habe viele Termine. Es gibt auch Widerstand. Zum Beispiel, als ich den Beschluss bestätigt habe, die AfD nicht zum Katholikentag einzuladen. Da hat es viel Widerspruch gegeben. Aber wer in die Küche geht, muss Dampf vertragen können. Ich bin der Überzeugung, fremdenfeindliche Parolen haben unter Christen keinen Platz, beim besten Willen nicht.

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