Mo., 14.03.2016

Tagung zur Biodiversität Verlust an Artenvielfalt auch für den Menschen gefährlich

Münster - 

Das Artensterben geht weiter. Wenn aber Ökosysteme zusammenbrechen, hat das Auswirkungen auf den Menschen. Bei einer Tagung zur Biodiversität im Landeshaus wurde Klartext geredet.

Von Klaus Möllers

„Alle sollten begreifen, dass hier nicht Hobby-Biologen oder Fantasten etwas erzählen, sondern dass dieses Thema die ganze Menschheit etwa angeht – falls sie überleben will.“ Was Prof. Dr. Rüdiger Wittig in drastischen Worten ausdrückte, war ein Resümee der Tagung zur Biodiversität.

Biodiversität beschreibt die Vielfalt der Arten und der Ökosysteme. Thema ist sie häufig im Zusammenhang mit Artensterben bei Tieren oder wenn in der Landwirtschaft statt einer Vielfalt an Gemüse nur noch wenige Sorten, etwa der Mais, den Anbau dominieren. „Ob wir Wasser haben, hängt davon ab, ob wir Bäume haben und ob die Systeme der Natur weiter funktionieren“, sagte Wittig am Freitagabend in seinem Auftaktvortrag.

Veranstalter der Tagung war die Akademie für ökologische Landesforschung. Darin sind Wissenschaftler aktiv, die sich um die Erforschung der Ökologie in Westfalen-Lippe verdient gemacht haben. Die Akademie berät zum Beispiel Behörden. Weil die Akademie seit genau 40 Jahren besteht, wurde der Geburtstag am Freitag im Rathausfestsaal gefeiert.

Wissenschaftlich, aber für jedermann verständlich sollte das Vortragsprogramm am Samstag im Landeshaus sein. Teilnehmer waren nämlich auch Naturschutzverbände, Studenten, Politiker und Vertreter des Landschaftverbandes und der Bezirksregierung.

Erstaunliche Zahlen stellte etwa Prof. Dr. Hermann Mattes von der Uni Münster vor: Wurden 1997 in einem bestimmten Stadtgebiet 26 Reviere der Feldlerche gezählt, waren es im Jahr 2004 noch 15, im Jahr 2015 nur noch fünf, erklärte der Landschaftsökologe. Ähnliche Zahlen seien bei Feldvögeln wie Kiebitz und Goldammer bemerkbar. „Die Verluste steigen weiter.“

Mattes erklärte den Grund: „Zum Beispiel braucht die Feldlerche eine Woche für den Nestbau, zwei Wochen Brutzeit und wenigstens einige Tage für die Aufzucht.“ Mais wachse aber schnell, das Feld werde schnell dicht. „Das Tier muss sich beeilen.“ Letztlich fänden die Vögel zu wenig zu fressen, auch die Zahl der geschlüpften Tiere sinke. Pestizide und Herbizide vernichteten einen Teil ihrer Nahrung.

Auch Prof. Dr. Thomas Fartmann von der Uni Osnabrück schätzte den rapiden Rückgang von Arten in der Kulturlandschaft als bedrohlich für die Lebensgrundlagen ein.

Oder wie Wittig es formulierte: Sollte weiterhin die Lebensgrundlage von Menschen zerstört werden, werde der globale Flüchtlingsstrom noch deutlich anschwellen.

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