Mo., 14.03.2016

Frauen-Notruf Täglich sexuelle Übergriffe

51 Prozent aller Sexualdelikte haben nach Angaben der Beratungsstelle im Bereich von Ehe, Partnerschaft und Familie stattgefunden. Wobei die Betroffenen aus allen sozialen Schichten kommen. Foto: dpa

51 Prozent aller Sexualdelikte haben nach Angaben der Beratungsstelle im Bereich von Ehe, Partnerschaft und Familie stattgefunden. Wobei die Betroffenen aus allen sozialen Schichten kommen. Foto: dpa

Münster - 

Der Frauen-Notruf in Münster ist stark nachgefragt. 1289 Beratungen verzeichnete die Einrichtung im vergangenen Jahr. Kernthema bleibt die Vergewaltigung. 60 Prozent aller ratsuchenden Frauen waren davon betroffen.

Von Gabriele Hillmoth

Die Zahlen sprechen für sich, der Frauen-Notruf e.v. in Münster ist zunehmend gefragt, wenn es beispielsweise um sexuelle Belästigungen geht. Diese sind für den Notruf in Münster ein Thema – schon lange vor der Silvesternacht in Köln, wie sich im Jahresbericht des Notrufes zeigt.

Bei einer Umfrage der Einrichtung, an der sich Ende des Jahres 2014 rund 400 Frauen beteiligt haben, zeigte die Auswertung, dass 75 Prozent aller befragten Frauen schon mindestens einmal eine sexuelle Belästigung erlebt haben. Diese Belästigungen reichten von einer verbalen Attacke bis zu einem körperlichen Übergriff, fasst Gerlinde Gröger als Leiterin des Frauen-Notrufes Münster das Ausmaß zusammen.

Insgesamt verzeichnete der Frauen-Notruf im vergangenen Jahr 1289 Beratungen und damit gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 20 Prozent. Wobei das Kernthema wie in der Vergangenheit auch die Vergewaltigungen waren. „Dabei erreichen wir aber nur etwa ein Zehntel aller Betroffenen“, vermuten Gerlinde Gröger und Mitarbeiterin, Daniela Stöveken. Von 1289 Beratungen im Jahr 2015 sei bei 60 Prozent der Betroffenen eine Vergewaltigung das Thema gewesen. 51 Prozent aller Sexualdelikte haben nach Angaben der Beratungsstelle im Bereich von Ehe, Partnerschaft und Familie stattgefunden. Wobei die Betroffenen aus allen sozialen Schichten kommen, so Gröger.

Zum Thema

Online-Beratung: Einzel-Chat: Mittwochs 16:00 bis 17:00 Uhr und nach Vereinbarung; Mail-Beratung: jederzeit

Aber auch das Thema „Sexting“ ist zunehmend ein Angebot des Notrufes bei Präventionsveranstaltungen in Schulen. Vor allem Jugendliche tauschten über das Internet oder ein Smartphone intime Fotos oder Videos von sich oder anderen aus. Der Frauen-Notruf startete darum eine Kampagne und entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Design der Fachhochschule Münster ein Informationspaket.

Frauen-Notruf Münster

Den Frauen-Notruf Münster erreichen Sie unter: 0251-34443

Viel Aufmerksamkeit bekommt nach Angaben von Gerlinde Gröger aber auch die Aktion „Belästigung bleibt haften“. Wer eine solche Belästigung auf der Straße, in Kneipen oder in Bahn und Bussen mitbekomme, dem rät Daniela Stöveken, einmal nachzufragen und einzuschreiten, „auch wenn es vielleicht unangenehm ist“.

Der Frauen-Notruf, der mit finanzieller Unterstützung der Stadt und des Landes arbeitet, und der auf Bußgelder und Spenden angewiesen ist, bietet noch weitaus mehr Präventionsangebote an. Dies geht aus dem Jahresbericht hervor.

Beratungszeiten

Die telefonischen Beratungszeiten des Frauen-Notrufs Münster sind: Montag bis Freitag: 10:00 bis 12:00 Uhr, Montag: 18.00 bis 20:00 Uhr, Donnerstag: 16:00 bis 18:00 Uhr

Offene Sprechstunde: Dienstags von 14:00 bis 16:00 Uhr, Heisstraße 9, 48145 Münster

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