Mi., 23.03.2016

Protestaktion gegen niedrige Preise Landwirte sprechen schon von „Existenzbedrohung“

Protest gegen Schleuderpreise in vielen Lebensmittelläden: Die Landwirte aus der Region informierten am Mittwoch vor dem Lidl-Markt in Mecklenbeck über ihre Probleme.

Protest gegen Schleuderpreise in vielen Lebensmittelläden: Die Landwirte aus der Region informierten am Mittwoch vor dem Lidl-Markt in Mecklenbeck über ihre Probleme. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Die Landwirte haben mit ihrem Einkommen kein Auskommen mehr, weil die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch drastisch in den Keller gesunken sind. Bei einer Demo am Mittwoch vor dem Lidl-Discounter in Münster-Mecklenbeck machten sie auf ihre schwierige Lage aufmerksam.

Von Helmut Etzkorn

Wilhelm Hüntrup, Schweinehalter aus Nienberge, spricht von einer „Existenzbedrohung“, weil er seinen Hof nicht mehr wirtschaftlich führen kann. Der Landwirt bekommt aktuell 1,30 Euro für ein Kilogramm Schweinefleisch. 1,80 Euro müssten es nach seiner Rechnung sein, um kostendeckend arbeiten zu können.

Am Mittwoch verteilt er zusammen mit Bauern aus der Region vor dem Lidl-Markt am Dingbängerweg in Mecklenbeck kleine Schoko-Osterhasen. Neben ihm steht auf einem großen Plakat „Wir machen ihr Frühstück, aber davon können wir nicht leben!“ 25 Cent für einen Liter Milch, 26 Cent für 200 Gramm Wurst und einen Cent für ein Brötchen. Mehr erhalten die Landwirte vom Großhandel nicht mehr für ihre Lebensmittel. Den Bauern ist deshalb der Appetit vergangen.

„Die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch sind in den vergangenen Monaten drastisch gefallen. Deshalb unsere Aktion, mit der wir für eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln werben und gegen Schleuderpreise in den Lebensmittelmärkten protestieren“, so die Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster, Susanne Schulze Bockeloh.

Die Schuld liegt nach Meinung der Bauern aber nicht beim Verbraucher, sondern im Preisdruck des Einzelhandels. Vier große Unternehmen teilen sich inzwischen den Markt auf und bestimmen laut Schulte Bockeloh das Preisgefüge.

„Wir Landwirte erhalten immer weniger von dem, was die Verbraucher an der Ladenkasse zahlen. So kann es nicht weitergehen“, meint Hüntrup. Lidl-Kundin Maria Westarp, die mit einem Einkaufswagen aus dem Discounter kommt und sich über die Aktion informiert, würde auch mehr für den Liter Milch oder die Schweinshaxe bezahlen. „Aber nur, wenn das Geld am Ende bei unseren Landwirten auch ankommt“, sagt sie.

Der Landwirtschaftliche Kreisverband rechnet kurzfristig nicht mit einer durchgreifenden Verbesserung der schlechten Erlössituation.

Die Aktion in Münster war Teil einer bundesweiten Kampagne. So gab es eine zentrale Kundgebung in Berlin, aber auch in vielen Orten der Region, darunter in Saerbeck.



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