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Mi., 23.03.2016

Verkehrsplaner planen die Zukunft Maut wie in Mailand

Verkehrsmix in Münster. Maria Berrini (rechts) sprach über die Maut in Mailand.

Verkehrsmix in Münster. Maria Berrini (rechts) sprach über die Maut in Mailand. Foto: Günter Benning

Münster - 

Maut? 30-Kilometer-Zone? Mehr Platz für Räder? Verkehrsplaner aus 18 Nationen diskutierten im münsterischen Rathaus. Ihr Problem: Mobilität in engen Städten ermöglichen.

Von Günter Benning

Maria Berrini hat vor zwei Jahren etwas eingeführt, bei dem in Münster schon in der puren Diskussion die Alarmlampen angehen. In Mailands City gilt die Maut.

Wer hereinfährt, wird von Kameras automatisch erfasst, die Gebühr wird abgebucht. „Natürlich gab es bei uns Diskussionen darüber“, sagt die Chefin der Mobilitätsagentur der italienischen Millionenstadt, „aber heute haben wir 30 Prozent weniger Durchgangsverkehr.“ Und mehr Ambiente für Fußgänger, Radler und Kaufleute in der Stadt.

Berrini nahm an einem Verkehrsplaner-Kongress im Rathaus teil. 83 Experten aus 18 europäischen Ländern waren gekommen. 25 Städte über 200 000 sind in der Riege der Eurocities vertreten, die allesamt ähnliche Probleme haben: Begrenzter Platz und viel Verkehr.

Die Lösungen, die Städte wie London, Kopenhagen oder Utrecht vorstellten, waren Öl auf den Mühlen des Bürgermeisters Gerhard Joksch. In Münster, erklärt er am Ende der Drei-Tages-Veranstaltung, würden drei von zehn Wegen mit dem Auto erledigt. Aber neun von zehn Euro, die von der Stadt in Verkehrswege investiert wird, dienten dem Autoverkehr. Joksch: „Der Einfluss der Autofahrerlobby und der Industrie ist riesig.“

Für den grünen Bürgermeister hätten Verkehrsplaner und Wissenschaftler längst ausreichende Alternativen entwickelt. Jetzt komme es darauf an, dass die Politik nachziehe. Ganz praktisch könne er sich beispielsweise vorstellen, dass die Wolbecker Straße zur Tempo-30-Zone würde, die Fahrbahn müsse schmaler werden, der Raum für Fußgänger und Radler breiter.

Wie das geht, hat er von den Kollegen aus Kopenhagen gehört: „Die sagen, wir haben hier ein vierspurige Straße – die beiden äußeren Spuren sind für Radfahrer.“ Er habe es vor Ort gesehen – da gäbe es kein Problem.

Andere Städte gehen den Weg über die Maut, die auch den Pendler-Verkehr trifft, denn der überwiegende Teil der Berufspendler komme schließlich mit dem Auto. Maut, meint Joksch, könne nicht nur bedeuten, dass man das Autofahren verteuert. Sie müsse gleichzeitig wie ein Ticket für den Öffentlichen-Personennahverkehr gelten. Wer Maut zahlt, kann Bus fahren.

Maria Berrini übrigens war von Münster begeistert: „Es ist schon beeindruckend, wie hier die Politik den Fahrradverkehr fördert.“

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