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Sa., 26.03.2016

Sammlung rund um Karstadt Mr. Karstadt spürt Raritäten auf

Holger Bergt mit einem Kundenmagazin von Karstadt aus dem Jahre 1935.

Holger Bergt mit einem Kundenmagazin von Karstadt aus dem Jahre 1935. Foto: Bergt

Münster - 

Holger Bergt interessiert sich seit 25 Jahren für das Warenhaus Karstadt. Der Bremer sammelt alles, was er finden kann. Jetzt hofft er, auch in Münster fündig zu werden.

Von Gabriele Hillmoth

Wenn er das Stichwort Karstadt hört, dann sprudelt Holger Bergt los. Der 50-Jährige ist ein wandelndes Karstadt-Lexikon. Der Schifffahrtskaufmann aus Bremen beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit dem Warenhauskonzern und kennt erstaunlich viele Details aus der Firmengeschichte. Bergts Wohnung ist ein kleines privates Karstadt-Museum. Irgendwann schwebt dem Sammler darum auch eine Dauerausstellung vor. Dafür sucht er weiter nach Fotos, Tassen, Besteck, Kleiderbügeln und Prospekte. Und er würde sich freuen, wenn er auch in Münster fündig würde.

„Fußball kann jeder“, sagt Holger Bergt, für den Karstadt ein Hobby ist. Inzwischen stehen bei ihm zu Hause in Bremen mindestens 80 Karstadt-Ordner. In einer Vitrine stellt er Porzellan aus den 1920er- und aus den 1950er-Jahren aus. Fotos, Zeichnungen, Werbeplakate – es häuft sich.

Holger Bergt ist glücklich mit seiner Sammlung. „Da steckt viel Herzblut drin“, sagt er. Was ihm noch fehlt, sind Fotos vom alten Karstadt-Haus an der Salzstraße in Münster, vom Althoff-Gebäude, was jetzt das Stadtmuseum ist. Ihn würde es interessieren, „wie es früher einmal drinnen ausgesehen hat.“ Bis heute ist Bergt in Münster nicht fündig geworden. Dabei hat er schon im Stadtarchiv gestöbert und bei Dr. Barbara Rommé vom Stadtmuseum nachgefragt. Denn genau das Museum ist heute im ehemaligen Warenhaus Althoff untergebracht. Holger Bergt kennt die Karstadt-Geschichte in Münster, hat sämtliche Daten parat und ist auch mit dem Vorgängerhaus Althoff vertraut. Damals war Theodor Althoff im Westfälischen unterwegs. Das Stammhaus stand in Bocholt. Rudolph Karstadt errichtete dagegen sein erstes Geschäftshaus in Wismar. Seit 1920 arbeiteten Althoff und Karstadt zusammen, so Bergt.

Als das erste Warenhaus in Münster gebaut werden sollte, so Bergt, habe es in dieser Stadt einen großen Aufruhr gegeben. Das erste Althoff-Haus sollte zwischen Dom und Prinzipalmarkt stehen, der Bauantrag wurde aber aufgrund der besonders exponierten Lage abgelehnt. Das zweite, erheblich größere Warenhaus, war 1928/29 von der damaligen Rudolph Karstadt AG unter dem Namen Althoff an der Salzstraße/Klemensstraße gegenüber der Dominikanerkirche geplant. 15 bis 20 Grundstücke mussten dafür aufgekauft werden. Doch die Pläne im Stil des Chefarchitekten Philipp Schäfer fanden im Rat keinen Beifall. Von einer Zerstörung des Stadtbildes sei die Rede gewesen. Der Neubau mit einem Turm mit Leuchtreklame war den Politikern in Münster zu hoch.

1929 wurde die Baugrube ausgehoben, doch es blieb bis 1959 beim „Karstadt-Loch“, wie die Münsteraner diese Baustelle bezeichneten. Weltwirtschafts- und Unternehmenskrisen stoppten das umstrittene Vorhaben. Die geplante Dachterrasse wäre die Gastronomie-Location schlechthin.

Erst 1959 wurde Karstadt gebaut. 1984 folgte der heutige Neubau des Warenhauses, weil sich eine Erweiterung des Altbaus als extrem schwierig herauskristallisiert habe. 1986 feierte Karstadt an der Salzstraße seine Neueröffnung. Zwischenzeitlich hatte Theodor Althoff aber schon 1930 das Warenhaus seines Schwagers, Friedrich Rawe, an der Salzstraße übernommen, das er bis 1959 führte und später dort noch als Möbelhaus betrieb.

Holger Bergt freut sich, dass er heute versilberte Löffel mit der Aufschrift Theodor Althoff in seiner Sammlung hat. Ein Althoff-Besteck für sechs Personen aus dem Warenhaus in Rheine hat er im täglichen Gebrauch. Manche Schnäppchen ersteigert er im Internet. Eisbecher, ein Zuckertopf aus den 50er-Jahren sowie altes Porzellan sind seine Glanzstücke. Jetzt hofft Bergt, dass er zum 135-jährigen Bestehen von Karstadt in Münster eine Ausstellung auf die Beine stellen kann. Locker könne er 200 bis 400 Exponate zusammenbringen.

Bergts Sammelleidenschaft begann mit dem Interesse an der Warenhaus-Architektur im Karstadt-Stil. Der Schifffahrtskaufmann fing daraufhin Feuer für die Unternehmensgeschichte.

Freunde und Familie bezeichnen Bergt als „Mr. Karstadt“ und tragen seine Sammelleidenschaft mit. Er stöberte schon auf dem Dachboden des Karstadt-Stammhauses in Wismar. Vollkommen unglücklich sei er gewesen, als er einen Abend vor seinem Geburtstag von der Insolvenz des Unternehmens erfuhr. So manch einen Urlaubstag setzt der Bremer für seine Karstadt-Recherchen ein.

Zum Thema

Wer Holger Bergts Sammelleidenschaft unterstützen möchte, kann sich bei ihm in Bremen, Elsasser Straße 17, unter Telefon 04 21 / 47 88 58 75 melden.



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