Fr., 25.03.2016

Auch Jesus wurde „wie Müll weggeworfen“ Bischof Genn kritisiert Umgang der „globalisierten Welt“ mit Flüchtlingen

Bischof Genn sagte, dass der Karfreitag „die furchtbare Macht des Bösen“ zeige.

Bischof Genn sagte, dass der Karfreitag „die furchtbare Macht des Bösen“ zeige. Foto: Bistum Münster

Münster - Die globalisierte Welt weiß schlecht mit den Tausenden von Flüchtlingen umzugehen, die aus Not heraus ihre Heimat verlassen und „im Mittelmeer wie in einer großen Müllhalde“ landen. Das hat Bischof Dr. Felix Genn am Karfreitag im St.-Paulus-Dom in Münster bei der Feier vom Leiden und Sterben Christi gesagt.

Der Bischof von Münster machte in seiner Predigt deutlich, dass auch Jesus am Karfreitag „hinausgeworfen, entsorgt, wie Müll weggeworfen“ worden sei: „Wie ein Weggeworfener wird der Herr behandelt.“

Bischof Genn sagte, dass der Karfreitag „die furchtbare Macht des Bösen“ zeige, die es zunächst geschafft habe, „Gott wegzuwerfen auf die Müllhalde der Geschichte, auch diesen Menschen Jesus von Nazareth, wie so viele Unschuldige, zu richten und auszulöschen.“ Die Macht des Bösen hätten die Menschen auch in dieser Woche wieder schmerzhaft angesichts der Terroranschläge von Brüssel erfahren müssen. Bischof Genn: „Aber Terror und Gewalt werden nicht das letzte Wort haben. Ja, es gibt den Karfreitag – für Jesus Christus am Kreuz und für die Opfer von Brüssel und für ihre Angehörigen am vergangenen Dienstag. Aber Ostern kommt. Und gerade heute am Karfreitag, wenn das Böse scheinbar zu siegen scheint, ist die Botschaft umso wichtiger, dass letztlich die allumfassende Liebe Gottes triumphieren wird.“

Gott, so betonte der Bischof weiter, nehme es am Karfreitag auf sich, ausgelöscht zu werden: „Gott vernichtet förmlich seine Gestalt, geht ganz tief in die des Gekreuzigten ein, richtet sich zugrunde, in den Abgrund des Todes, um bis ins Letzte auszukosten, was uns Menschen erwartet.“ Indem Gott das mitmache, zeige sich seine „verschwenderische Liebe am tiefsten“. Sie gehe durch Verrat, Verleumdung und das Verworfenwerden hindurch: „Gerade in der Ohnmacht dieser Liebe zeigt sich, dass das Herz der Welt, sein göttliches Herz, nicht aufhört, für uns zu schlagen“, sagte der Bischof.

Die Feier des Karfreitags rufe die Gläubigen dazu auf, aus dem Gesicht des Gekreuzigten abzulesen, dass er die Wahrheit des Lebens der Menschen kenne, auch die unangenehme Wahrheit und die Verstrickung der Menschen im Netzwerk des Bösen. Doch halte der gekreuzigte Christus den Menschen nicht den Spiegel vor, um ihnen zu zeigen, wie elend sie sind – im Gegenteil. „Er umkleidet uns mit seiner erbarmenden Liebe, die allein es möglich macht, ein ‚Ja‘ zu unserer persönlichen Sünde, zu unseren Fehlern und Schwächen zu sagen. Allein diese Liebe macht es möglich, heil zu werden und heil zu sein“, betonte der Bischof. Dabei sei es zunächst einmal eine ganz persönliche Sache, sich dem Erbarmen Gottes zu öffnen. Stelle man sich dem aber, werde man hinausgeführt in die Weite der Liebe Gottes: „Mich von ihm geliebt zu wissen, der für mich am Kreuz gestorben ist, und daraus die Kraft zu empfangen, mit ihm in Liebe zu wirken in dieser Welt, ohne Obergrenze, ohne Vorbehalt, in immer neuem Ringen, im Fallen und Aufstehen, selbst dann, wenn mir diese meine Liebe wie weggeworfen vorkommt.“

Auch in den Großen Fürbitten beteten die Gläubigen im St.-Paulus-Dom besonders für die Flüchtlinge und für die Opfer von Terroranschlägen.



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