Sa., 26.03.2016

Café Kleimann schließt Hasen sind auf dem Sprung

Café Kleimann schließt : Hasen sind auf dem Sprung

Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Kult zwischen Kännchen und Kaffee: Ende März schließt das Café Kleimann am Prinzipalmarkt, damit endet erneut die Tradition eines münsterischen Familienbetriebes. Momentan brummt das Café, viele Gäste genießen Kaffee und Kuchen aus dem Hause Kleimann.

Von Gabriele Hillmoth

Die Hasenparade im Schaufenster von Café Kleimann am Prinzipalmarkt ist zum Reinbeißen schön, aber sie ist auf dem Sprung. Das Café schließt in einer knappen Woche. Aber noch stehen die Gäste Schlange – vor der langen Kuchentheke, vor den unzähligen Pralinen, vor den gefüllten Eiern und der riesigen Gebäckauswahl.

Viele Gäste können sich schwer entscheiden, welches Tortenstück ihnen ein letztes Mal auf der Zunge zergehen soll. Am liebsten würden sie alle Kuchen mitnehmen zur Erinnerung an das Traditionscafé in der 1-A-Lage am Prinzipalmarkt.

„Irgendwie ging es jetzt doch schnell“, wundert sich Bernd Kleimann, der das Café gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern in dritter Generation seit dem Jahr 2003 betreibt. Der Konditormeister kann sich noch nicht vorstellen, dass tatsächlich am 31. März Schluss sein soll.

Fotostrecke: Café Kleimann schließt

Aber nicht nur seiner Familie fällt der Abschied schwer, viele Münsteraner trauern um ein weiteres Stückchen Café-Kultur, das verschwindet. Schon damals, als Café Müller am Marienplatz und später Café Schucan aufgegeben haben, jammerten viele. Dann verkleinerte sich Grotemeyer, jetzt schließt das nächste Café.

„Mindestens 100 mal am Tag werden wir gefragt, wie es weitergeht“, sagt Marion Zumdick. Die 56-Jährige jongliert seit neun Jahren mit Kännchen und Kuchen durchs Café. Stammkunden schauen ein letztes Mal vorbei und verabschieden sich. Dazu zählt ein älteres Ehepaar. An jedem Markttag saß es am reservierten Tisch im Salon und war froh, bei Kleimanns nicht mit Musik berieselt zu werden. „Wo finden wir das?“

Regelmäßig schlürfte ein Musikerstammtisch im blauen Salon seinen Kaffee. Nur bei Geburtstagen gönnte sich die Runde mit der 86-jährigen Geigerin Lilligret Middelberg in der Mitte ein dickes Stück Torte. Seit 20 Jahren kommen die ehemaligen Musiker vom Sinfonieorchester. „Wir konnten einfach nicht voneinander lassen.“ Jetzt stimmen sie „mit einer Träne im Knopfloch“ ihre Trauertöne an. Dieter Wolf, Bernd Kersten und Helmut Krack gehen auf Kaffee-Wanderschaft. Der Runde geht eine Heimat verloren, für die der Berliner Frank Düsterwald immer nach Münster gereist kam.

Sehen und gesehen werden war in den vier Wänden von Kleimanns angesagt. Der Seniorchef Bernhard Kleimann erinnert sich an Stammgäste wie Jürgen von Manger und Designer Luigi Colani. Auch Schlagerstar Karel Gott saß im Café. Der Senior ist stolz auf einen Azubi aus dem Haus am Prinzipalmarkt, der es bis zum Chef-Patissier im Hotel Sacher in Wien gebracht hat und dem die Sachertorte bei Kleimanns aber immer noch besser schmecken würde.

Die vergangenen Wochen waren stressig für das Café-Team. „Wenn es immer so voll gewesen wäre, dann hätten wir uns diesen Schritt vielleicht überlegt“, sagt Bernd Kleimann. Längst ist die Produktion für Printen und Lebkuchen eingestellt, zum letzten Mal kreierte der Konditormeister die Hexenhäuschen, während sich der Vater für die Marzipanschweinchen ins Zeug legte. Sohn Bernd erbte von ihm die künstlerische Ader rund um die Hasenproduktion. Nur die Rezepturen verrät er nicht, auch nicht für die Torten-Renner wie Schwarzwälderkirsch oder Sahne-Nuss.

Kleimann war Kult für jede Generation. Selbst für Teetrinker.

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