So., 27.03.2016

City-Maut in Münster Diskussion um die City-Maut

City-Maut in Münster : Diskussion um die City-Maut

Foto: Heiner Witte

Münster - 

Verkehrsplaner aus 24 europäischen Städten haben in dieser Woche auch über die City-Maut diskutiert. Sinnvolle Lösung oder verrückte Idee? Die Meinungen gehen darüber auseinander. Zwei Kommentare

Von Gabriele Hillmoth und Günter Benning

Pro: Eine Option

von Günter Benning

Wer an City-Maut denkt, denkt zu schnell an mittelalterliche Wegelagerer, die arme Reisende berauben. Wir leben aber längst mit Lkw-Maut, mit Autobahn-Maut im Ausland, mit pekuniären Strafen, wenn man mit dem Auto in Innenstädte fährt. Die einen – London, Mailand – regeln das über elektronische Abgaben. Andere Städte wie Amsterdam über sehr hohe Parkgebühren. Das Ziel ist, Park- und Suchverkehr aus Städten herauszuhalten, Radlern, Fußgängern und Bussen Raum zu geben. Damit sollen Städte als Lebens- und Einkaufsorte attraktiver werden. Und das funktioniert.

Die Maut-Debatte muss daher in ihrem Umfeld gesehen werden. Münster erwartet in den nächsten Jahrzehnten zigtausend neue Einwohner und deutlich mehr Pendlerverkehr. Die Methoden der Vergangenheit führen in den Stau. Der Platz für Autos in der Stadt kann nicht mehr vergrößert werden. Gleichzeitig arbeitet die ganze Verkehrswirtschaft an neuen Mobilitätslösungen – vom Autobauer, über die Bahn bis zu Google. Das Internet treibt die Debatte. Es tut Not, neue Chancen aktiv zu entwickeln.

Contra: Alles hat Grenzen

von Gabriele Hillmoth

Wir sind hier nicht in den Metropolen London, Singapur oder Stockholm, sondern in Münster und damit in einer Stadt, die jetzt gut 300 000 Einwohner hat. Pkw stauen sich in Münster morgens, abends und auf manchen Straßen den ganzen Tag,  aber eine City-Maut würde diese Engpässe bestimmt nicht beheben. Denn so schnell lassen sich auch Pendler nicht in den ohnehin schon überlasteten öffentlichen Personennahverkehr umleiten.

Im Gegenteil, eine City-Maut könnte zur Folge haben, dass Autofahrer die Stadt demnächst meiden, was nicht schlimm wäre, wenn sie nicht in Nachbarstädte abwanderten. Besucher würden sich überlegen, ob sie tatsächlich neben einer Bettensteuer in Münster nun auch noch eine City-Maut bezahlen wollen. Alles hat seine Grenzen. Und wer erfasst überhaupt eine solche City-Maut? Wer würde eine solche Einkommensquelle der Stadt kontrollieren? Außerdem ist Münster eine fahrradfreundliche Stadt, das schätzen die Bürger. Darum sollte lieber auf eine City-Maut verzichtet und die Infrastruktur für die Fahrradkolonnen verbessert werden.

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