Mi., 30.03.2016

1000 Virologen kommen zu Kongress Viren – Gefahr und Fortschritt

Prof. Dr. Stephan Ludwig ist Kongresspräsident der großen Tagung. Der Virologe ist auch Forschungsprorektor der Universität Münster.

Prof. Dr. Stephan Ludwig ist Kongresspräsident der großen Tagung. Der Virologe ist auch Forschungsprorektor der Universität Münster. Foto: WWU

Münster - 

In der kommenden Woche treffen sich in Münster rund 1000 Viren-Forscher zu ihrer Fachtagung. Kongresspräsident Prof. Stephan Ludwig von der Universität Münster erklärt im interview, worum es bei der Tagung geht.

Rund 1000 Wissenschaftler aus der ganzen Welt und aus allen Bereichen der Virologie werden in der kommenden Woche zur wichtigsten Veranstaltung für Virologen im deutschsprachigen Raum in Münster erwartet. Bei der 26. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie, der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaft der Virologie in Europa, vom 6. bis zum 9. April tauschen sie sich gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten in Münster aus. Einen Einblick in Tagungsschwerpunkte gibt im Interview Kongresspräsident Prof. Dr. Stephan Ludwig, Leiter des Instituts für Molekulare Virologie am Zentrum für Molekularbiologie der Entzündung der Universität Münster.

„Viruses in Motion“, also „Viren in Bewegung“ – das Motto des wissenschaftlichen Programms ist mit Bedacht gewählt. Welche Schwerpunkte sind mit diesem zentralen Kongressthema gesetzt?

Ludwig: Zum einen soll es natürlich die ständige evolutionäre Veränderung und Ausbreitung von viralen Erregern verdeutlichen. Zum anderen sind aber auch die mikroskopische Bewegung und Ausbreitung von Erregern und ihrer Bestandteile im infizierten Organismus gemeint, die man mit den modernen hochauflösenden Mikroskopie-Techniken tatsächlich bildlich darstellen kann. Beide Themenbereiche werden während des Kongresses beleuchtet und hängen eng mit dem wissenschaftlichen Profil der Universität Münster zusammen. Ein übergreifendes Thema sind auch zoonotische Viren, also Erreger, die von Tieren auf Menschen – oder umgekehrt – übertragen werden. Da über zwei Drittel der beim Menschen neu auftretenden Viren von Tieren stammen, stellt dieser Bereich eine besondere Herausforderung an die Forschung dar.

Dass Viren sich sehr dynamisch entwickeln, ist bekannt. Inwieweit sind neue Erkenntnisse zu erwarten, welche Rolle virale Krankheitserreger bei der Evolution höherer Organismen spielen?

Ludwig: Viren haben durch Integration ihrer Erbinformation in das Wirtsgenom in der Tat einen großen Beitrag zur Evolution höherer Organismen geleistet. Diesem Grenzgebiet zwischen Virologie und Genetik wird ebenfalls auf dem Kongress besondere Aufmerksamkeit gewidmet, da neu­ste Techniken zur Aufklärung von Genomsequenzen in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse der Rolle von Viren als Treiber der Evolution erbracht haben.

Einen Tagungsschwerpunkt bilden neue Krankheitserreger, etwa bei der Interaktion von Viren mit der Zelle und dem körpereigenen Immunsystem. Welche Erkenntnisse gibt es hier?

Ludwig: In den letzten Jahrzehnten haben wir es immer wieder mit neu auftretenden Viruserkrankungen zu tun bekommen, das wird auch in Zukunft so bleiben. Dies ist eine Herausforderung für die virologische Forschung, die immer schnell auf neue Entwicklungen reagieren muss. In übertragenem Sinne haben auch wir, die Kongressorganisatoren, auf die aktuelle Bedrohung durch das Zika-Virus in Brasilien reagiert, indem wir kurzfristig einen Fachvortrag dazu ins Programm genommen haben.

Das aktuellste Beispiel dafür, wie gefährlich die Entwicklung von Viren für Menschen sein kann, ist das Zika-Virus. Sind aussichtsreiche Strategien dagegen in Sicht?

Ludwig: Weltweit wird fieberhaft sowohl an Impfstoffen als auch an antiviralen Interventionsmöglichkeiten gegen diese Viren gearbeitet. Auf der Tagung werden hier mit Sicherheit neuste Entwicklungen präsentiert. Leider wird es noch einige Zeit dauern, bis diese Maßnahmen in der klinischen Versorgung umgesetzt werden können. Bis dahin bleibt wohl zunächst nur das Unterbrechen der Übertragungskette durch Bekämpfung der Mücken und das Einhalten von Verhaltensregeln im Umgang mit diesen Erregern.

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