Sa., 23.04.2016

Uraufführung von Dirk Spelsbergs „Heil Underground“ Mit Gewalt ans Licht der Öffentlichkeit

Mit drastischen Szenen haben Pitt Hartmann und Johannes Fundermann das Stück von Dirk Spelsberg in Szene gesetzt – hier unterdrückt „Adonis“ die späteren Mörder.

Mit drastischen Szenen haben Pitt Hartmann und Johannes Fundermann das Stück von Dirk Spelsberg in Szene gesetzt – hier unterdrückt „Adonis“ die späteren Mörder. Foto: Erich Saar

Münster - 

Zwei Jungs im Keller, Gewalterfahrung und ein Opfer. Im Pumpenhaus geht es in der Uraufführung „Heil Underground“ drastisch zu.

Von Isabell Steinböck

Der Bühnenraum ist schwarz, abgehängt mit einer schrägen Wand, aus der eine Treppe nach unten führt. Als die Schauspielerin auftritt, erscheinen erst nur ihre Pumps und der glitzernde Saum ihres Kleides. Eine elegante Frau, die auf Hans Salomons atmosphärisch-dichter Bühne wie aus dem Jenseits spricht: „Nichts ist einfacher, als zu sterben. Der Tod ist ein Orgasmus, das letzte große Abenteuer.“

Mareike Fiege spielt in Dirk Spelsbergs Drama „Heil Underground “, das Hartmann & Konsorten im Pumpenhaus zur Uraufführung brachten, das ewige Opfer. Wirkt sie hier noch stolz und schön, wird sie im Laufe des Stücks immer mehr geschunden. Mal ist sie die Pizza-Botin, die wie zufällig erschossen wird, mal eine Figur, die sich in Unterwäsche aus dem mit Erde gefüllten Bühnenboden wühlt wie aus einem Grab, mal Gottesmutter Maria, die, mit Blut übergossen, die Leiden Christi selbst zu tragen scheint.

Als Mörder stehen zwei junge Männer auf der Bühne. Schüler, die wie tickende Bomben im Keller eines amerikanischen Einfamilienhauses sitzen und darauf warten, endlich zu explodieren. Weshalb sie sich mit Gewalt ins Licht der Öffentlichkeit katapultieren wollen, was sie an den Rand der Gesellschaft drängte, wird in diesen schlaglichtartig aufeinanderfolgenden Szenen nur angedeutet. Von sexueller Gewalt ist die Rede. In einer Szene werden sie erniedrigt, von einer Figur, die sich als Adonis vorstellt und sie in die Knie zwingt wie Tiere, bis einer der Jungs sie von hinten erschießt.

Gewalt führt hier, wie so oft, zu Gegengewalt. Was Lehrer und Schüler in einem anderen Moment zu Hass-Objekten macht, ist dagegen fraglich. Das Regie-Duo Johannes Fundermann und Pitt Hartmann zeichnet keine Charaktere, psychologisiert nicht, sondern bildet ab, was aus den Medien bekannt ist: Highschool-Massaker, Selbstmordattentate oder blinder Terror.

Die jungen Schauspieler Mareike Fiege, Shaun Fitzpatrick und Schneider füllen ihre Rollen überzeugend aus, können in diesem Potpourri aus irren Horror-Szenen, ideologischen Versatzstücken, philosophischen Zitaten und Anleihen an die Weltgeschichte jedoch kaum Profil gewinnen. Nach dem Motto „Viel hilft viel“ sieht man drastische Bilder mit einer Menge Theaterblut und Dreck. Wenn das Opfer wie ein Zombie aus dem Boden auftaucht, wirkt das allerdings eher grotesk als schockierend. Verstörend ist das nicht.



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