Fr., 20.05.2016

Kennzeichnungspflicht Woher kommen die Erdbeeren: Mogelpackung am Marktstand?

Die Händler auf dem Wochenmarkt sind verpflichtet, über die Herkunft ihrer Waren möglichst gut lesbar Auskunft zu geben.

Die Händler auf dem Wochenmarkt sind verpflichtet, über die Herkunft ihrer Waren möglichst gut lesbar Auskunft zu geben. Das geschieht auch in den meisten Fällen – aber nicht immer, wie bei den Erdbeeren auf dem Bild. Foto: kv

Münster - 

Auch Markthändler müssen ihre Ware auszeichnen und die Kunden aufklären, woher die Waren kommen. Dabei wird auch mit Tricks gearbeitet. Denn nicht alles, was auf dem Domplatz angeboten wird, kommt aus der Region.

Von Karin Völker

Die Erdbeerschälchen am Stand auf dem Wochenmarkt stehen dicht an dicht. „Süß und aromatisch“, wirbt die Aufschrift auf einer Tafel. Woher die Erdbeeren für 2,90 Euro pro Schale kommen, erfahren die Kunden, wenn sie genauer hinsehen: Auf den Kunststoff-Schälchen gibt es den Aufdruck eines niederländischen Vertriebs.

Das sagt nichts über die Qualität der Früchte, aber über die Vorlieben der Menschen, die auf dem Wochenmarkt einkaufen. „Vielen ist es wichtig, regionale Produkte zu kaufen, am besten direkt vom Erzeuger“, sagt Johannes Lammers, beim städtischen Ordnungsamt zuständig unter anderem für die Wochenmärkte.

Erdbeeren „vom Niederrhein “

Mit Erdbeeren oder auch Spargel aus den Niederlanden wird darum nicht offensiv geworben. Produkte, die von jenseits der deutschen Grenze stammen, kennzeichnen Händler häufig mit der Bezeichnung „vom Niederrhein“. Und weil die Händler verpflichtet sind, auch die nationale Herkunft eines Lebensmittels zu offenbaren, findet sich mitunter die Ergänzung durch das Kürzel „ NL “ für Niederlande.

Für den Kunden Klaus Lenser aus Hiltrup setzt der Markt so sein gutes Ansehen aufs Spiel, der Vertrauen der Kunden werde erschüttert, ärgert er sich. Der Kritik von Marktkunden will die Stadt nun Rechnung tragen, und Händler zur genaueren und besser sichtbaren Kennzeichnung ihrer Ware ermahnen, sagt der Sprecher der Verwaltung, Joachim Schiek. Die Qualität der angebotenen Lebensmittel werde kontinuierlich von einem städtischen Lebensmittelkontrolleur stichprobenartig geprüft – bei Spargel und Erdbeeren könne eine Untersuchung im Labor auch Klarheit darüber bringen, wo das Gemüse und die Früchte geerntet wurden.

Fotostrecke: Kennzeichnungspflicht auf dem Markt

Großmarkt-Ware neben regionalen Produkten

Johannes Lammers vom Ordnungsamt, das die Standplätze für die Marktbeschicker vergibt, betont, dass die Stadt sich auch von Händlern trenne, die bewusst falsche Angaben machten. „Marktbeschicker, die möglichst vollständig selbst erzeugte Produkte anbieten“, sind uns besonders willkommen, betont er. Es sei aber auch klar, dass beispielsweise ein Kartoffelbauer aus dem Münsterland auf dem Markt noch andere Produkte zusätzlich verkaufen müsse, damit sich seine Präsenz lohne. Und so würden auch Frischwaren angeboten, die Landwirte in Großmärkten hinzukauften.

„Die Marktsatzung macht keine Vorgaben zum Verkauf ausschließlich regionaler Produkte“, ergänzt Lammers – und weist darauf hin, dass sich das Angebot des Marktes in diesem Fall deutlich reduzieren würde.

So liegen Papayas aus Brasilien neben dem Stielmus aus Greven, Trauben aus Südafrika neben Kohlrabi aus Everswinkel. Lammers warnt jene Marktbeschicker, die es an Transparenz vermissen ließen oder gar bewusst falsche Angaben machten: „Sie schaden dem gesamten Markt“, betont er. Der Wochenmarkt auf dem Domplatz habe schließlich „einen exzellenten Ruf zu verlieren“.



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