Fr., 24.06.2016

Premiere beiCactus+ Eine Zwischenzeit namens Jugend

Für den überforderten Lehrer (Alban Renz, l.) hat der rebellische Schüler Achterkamp (Timo von der Horst) nur Verachtung übrig. Und Clarissa (Laureen Laser) schaut in aufreizender Pose einfach nur zu.

Für den überforderten Lehrer (Alban Renz, l.) hat der rebellische Schüler Achterkamp (Timo von der Horst) nur Verachtung übrig. Und Clarissa (Laureen Laser) schaut in aufreizender Pose einfach nur zu. Foto: Ralf Emmerich

Münster - 

Betont lässig betritt der Schüler die Aula, fläzt sich auf einen Stuhl und betrachtet von der Bühne aus, wie nach und nach Mitschüler hereintröpfeln: die aufreizende Clarissa, der sportliche Andre, die kindliche Betti, die verwahrlost wirkende Johanna. Fünf Typen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, die jedoch eines verbindet: Strafarbeit am Samstag. „Was es heißt, erwachsen zu sein“, sollen die jungen Leute in einem Aufsatz schreiben. Eine Perspektive, die noch weit entfernt scheint. Hin- und hergerissen zwischen Rebellion und Anpassung wissen diese Jugendlichen kaum, wohin mit sich selbst. Nur eins ist klar: Wie die Eltern wollen sie nicht werden. Ein auswegloses Unterfangen, meint Johanna: „Wenn du aufwächst, stirbt dein Herz.“

Von Isabell Steinböck

Ein Statement, das die Frustration der jungen Generation auf den Punkt bringt und zugleich den Titel des Theaterstücks von Cactus+ benennt. Mareike Fiege , Schauspielerin des Nachwuchsensembles, debütiert mit der Coming-of-Age-Geschichte als Regisseurin und erntete nach ihrer Premiere im Pumpenhaus zu Recht tosenden Applaus, gelingt es ihr doch in gut anderthalb Stunden einem Thema beizukommen, das in Hinblick auf Identitätssuche und Generationenkonflikte zeitlos ist. Die überzeugenden Texte, bearbeitet von Alban Renz , stammen aus Improvisationen und Schreibwerkstätten.

Das Spiel der jungen Darsteller ist bemerkenswert. Wenige Gesten und Blicke genügen, um die Charaktere zu markieren. Herausragend ist Timo von der Horst als rebellischer Anarchist, der den Drohungen seines überforderten Lehrers (Alban Renz) „Friss Scheiße!“ entgegenrotzt und so ein Machtspiel provoziert, in dem er nur den Kürzeren ziehen kann.

Für humorvolle Momente sorgt die kindlich-naive Betti (Nina Deniger), die unter dem Leistungsdruck der Eltern ebenso leidet wie Sportler Andre (Lorenz Viegener). Johanna (wunderbar skurril: Eva-Lina Wenners) dagegen wäre froh, wenn sich überhaupt mal einer für sie interessierte.

Und Clarissa (Laureen Laser) stammt zwar aus gutem Hause, glücklich macht sie ihr Status jedoch nicht. Ein Lichtblick ist der verständnisvolle Hausmeister (Shaun Fitzpatrick), wenn er ihnen Mut macht, eigene Wege zu gehen.

Mareike Fiege lässt die Figuren sich aneinander reiben und arbeitet so heraus, was die Jugendlichen bewegt. Wilde Tanzszenen, Übertreibung und Witz machen aus dem tiefsinnigen Stück ein kurzweiliges Drama. Eine reife Leistung.

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Weitere Aufführungen: 24., 26., 27., 28. und 29. Juni, jeweils um 20 Uhr im Theater im Pumpenhaus. ✆ 23 34 43



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