So., 03.07.2016

Tanzstück vom Widmungsträger uraufgeführt Zeitreise mit Wiederholungen

Emmanuel Eggermont setzt Hoghes Choreografie detailgenau um.

Emmanuel Eggermont setzt Hoghes Choreografie detailgenau um. Foto: Rosa-Frank.com

Münster - 

Die Bühne des Pumpenhauses ist weiß, der Zuschauerraum hell. Nach und nach treten drei Männer in weißen Hemden und schwarzen Hosen auf. Sie schreiten den Raum ringsherum ab: Ein Eingangsritual, das man beim Tänzer-Choreografen Raimund Hoghe schon oft gesehen hat, nur dass er diesmal ein kleines Boot in Händen trägt. Es verweist auf (un-)vergessene Flüchtlingsdramen. Der Brief, den der klein gewachsene Performer später vorlesen wird, stammt aus dem Jahr 1999. Zwei Jungen aus Guinea (Westafrika) haben ihn geschrieben. Sie bitten um Hilfe für ihr von Krieg, Krankheit und Armut gebeuteltes Land. Da ihre Bitte unerhört blieb, machten sich die Jugendlichen auf den Weg. Im Triebwerk eines Flugzeugs starben beide als blinde Passagiere.

Von Isabell Steinböck

Ein berührender Moment in einem melancholischen Stück, das Raimund Hoghe seinem langjährigen Tänzer Emmanuel Eggermont widmet und das diverse Facetten aufweist. Neben dem Hilferuf nach Freiheit und Gerechtigkeit sind in der Uraufführung „Musiques et mots pour Emmanuel“ Originalaufnahmen großer Künstler zu hören, darunter der Schauspieler Oskar Werner oder Regisseur Pier Paolo Pasolini. Die Unsterblichkeit des Theaters wird beschworen, wie auch der „göttliche Schöpferdrang“ von Künstlern. Erheiternd dagegen der Moment, in dem sich eine Englisch sprechende Sängerin mit korrektem Französisch abmüht, um Jacques Brels Chanson „Ne me quitte pas“ zu intonieren.

Hoghe wagt einen Rundumschlag durch die Zeiten, wenn plötzlich barock anmutende Musik zu hören ist und sein Tänzer höfische Verbeugungen zeigt. Choreografisch zitiert er sich häufig selbst. Eggermonts angewinkelte Hände und Arme kennt man aus seinem Solo „L’Après-midi“ (2008), ebenso seine schönen, an griechische Statuen erinnernden Posen oder die fließenden, minimalistischen Bewegungen. Mal pirscht der Tänzer mit gebeugtem Rücken über die Bühne, mal scheint er sich schützen zu wollen, wenn er dem Publikum die Hände abwehrend entgegenhält.

Konzentriert und bis ins Detail genau wirkt Hoghes Choreografie, die den Schwerpunkt auf Hand- und Armbewegungen legt, das getragene Tempo jedoch auch mal verändert und den Tänzer bewusst aus dem Gleichgewicht bringt. Bemerkenswert, wie Eggermont seinen Tanz im Rhythmus zur Sprache taktet, bis alles wie in einem ewigen Kreislauf nur so dahinzufließen scheint. Da ist sie wieder, Hoghes meditative Ästhetik der Wiederholung .



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