Fr., 08.07.2016

JVA-Räumung im Überblick 468 Häftlinge haben Münster verlassen

Die JVA hat in den vergangenen zwei Tagen 468 Gefangene „verloren“. JVA-Direktor Carsten Heim informiert über den Stand der Dinge.

Die JVA hat in den vergangenen zwei Tagen 468 Gefangene „verloren“. JVA-Direktor Carsten Heim informiert über den Stand der Dinge. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Carsten Heim, Leiter der JVA Münster, eilt derzeit von einer Krisensitzung zum nächsten. Auch der Düsseldorfer Justizstaatssekretär Karl-Heinz Krems ist im Dauereinsatz. Im Gespräch mit unserer Zeitung skizzierten beide am Freitag den Stand der Dinge bei der Gefängnis-Räumung. Hier der Überblick:

Von Klaus Baumeister

► Die Verlegung von 468 Häftlingen ist abgeschlossen. Jeder durfte zehn Kilo Handgepäck mitnehmen. Alle weiteren Gegenstände, die den Gefangenen gehören, werden in den kommenden Tagen nachgeschickt. Die Haftanstalten, in denen sich die münsterischen Häftlinge jetzt befinden, wurden angewiesen, es den Häftlingen zu ermöglichen, dass sie ihre Angehörigen verständigen.

► Der Abtransport erfolgte nach dem vor einigen Monaten erarbeiteten Notfallplan und verlief reibungslos.

► Alle Untersuchungshäftlinge „behalten“ die Gerichte in Münster und im Münsterland, bei denen die Strafverfahren anhängig sind. Das bedeutet vermehrte Gefangenentransporte. Dabei sollen vorzugsweise münsterische Justizbeamte eingesetzt werden.

► Der einsturzgefährdete Altbau der JVA Münster ist baulich genau abgrenzbar von den nicht gefährdeten, neuen Gebäuden auf dem Gefängnisareal. Aus diesem Grund ist laut Heim die Versorgung der verbliebenen 47 Gefangenen unproblematisch. Der Gefängnisalltag könne weiterhin organisiert werden.

► In der kommenden Woche will das Justizministerium gemeinsam mit den JVA-Leitungen in NRW und Personalräten über die Verwendung der 270 münsterischen JVA-Bediensteten befinden. Ein Teil wird für den Betrieb in der Zweigstelle Coesfeld abgestellt, ein anderer Teil hat bereits seine Arbeit in der JVA Werl angetreten, wohin das pädagogische Zentrum einschließlich der 57 Gefangenen, die darin betreut werden, verlagert wurde. Weitere Mitarbeiter werden für die zusätzlichen Gefangenentransporte benötigt. All diese Bediensteten bleiben aber Mitarbeiter der JVA Münster, so Krems .

► Mit der Räumung der JVA Münster hat der Strafvollzug für männliche Straftäter in NRW laut Krems einen Auslastungsgrad von nahezu 100 Prozent erreicht.

► Von der Räumung betroffen ist auch die weithin bekannte und preisgekrönte Gefangenenbücherei in Münster. Sie liegt mitten in dem sternförmigen Altbau, dessen Stabilität nicht mehr gewährleistet ist.

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