Fr., 15.07.2016

JVA Münster Mitarbeiter kritisieren Gefängnis-Räumung

Wagen mit Bettwäsche, Mülleimer aus den Zellen und Kartons warten darauf, abtransportiert zu werden. Das Foto zeigt den ältesten Teil des Gefängnisses, der aus dem Jahr 1853 stammt und nach Einschätzung des Landes einsturzgefährdet ist.

Wagen mit Bettwäsche, Mülleimer aus den Zellen und Kartons warten darauf, abtransportiert zu werden. Das Foto zeigt den ältesten Teil des Gefängnisses, der aus dem Jahr 1853 stammt und nach Einschätzung des Landes einsturzgefährdet ist. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Auch eine Woche nach der vom NRW-Justizministerium angeordneten Räumung der Justizvollzugsanstalt an der Gartenstraße wollen sich die Beschäftigten nicht mit der Entscheidung abfinden. „Hier glaubt niemand, dass das Gefängnis einsturzgefährdet ist“, so der stellvertretende Leiter Rolf Silwedel gegenüber unserer Zeitung. 

Von Klaus Baumeister und Martin Kalitschke

Der stellvertretende Gefängnisleiter verweist auf Tausende Sensoren, die Anfang des Jahres in den Deckengewölben des mehr als 160 Jahre alten Gemäuers installiert worden sind. Sie hätten „keinerlei Bewegungen“ registriert, so Silwedel , der nach eigenen Angaben auf der Homepage unserer Zeitung von der bevorstehenden Räumung erfahren hatte.

Rund 450 Häftlinge waren unmittelbar danach in andere Anstalten in NRW verlegt worden. 47 befinden sich noch immer vor Ort – in einem neueren Gebäudeteil, der nach Einschätzung des Landes sicher ist. „Ich gehe davon aus, dass sie hier noch lange bleiben werden“, sagt Silwedel – in NRW werde schließlich jeder Haftplatz benötigt.

Scheitern des Standorts Handorf

Unterdessen ist unserer Zeitung noch einmal der Frage nachgegangen, warum der von der Stadt Münster, dem Bau- und Liegenschaftsbetriebes des Landes und dem NRW-Justizministerium favorisierte Standort für einen JVA-Neubau in Handorf 2014 scheiterte. Das Gefängnis sollte bekanntlich auf einer Teilfläche des Truppenübungsplatzes errichtet werden. Das Verteidigungsministerium legte aber ein Veto ein, weil die Fläche auch künftig für die militärische Ausbildung benötigt werde.

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Diese Erklärung erscheint vielen Münsteranern als kaum überzeugend, weil das Ministerium nur sehr allgemein argumentiert und der militärische Nutzen der Fläche nicht erkennbar ist. Deshalb gibt es viele Spekulationen zum dem Thema, in deren Mittelpunkt der parlamentarische Staatssekretär Ralf Brauksiepe steht.

Stadtdirektor Hartwig Schultheiß erklärte, dass Handorf unverändert der „am besten geeignete Standort“ für eine JVA sei. Dr. Marcus Strunk, Pressesprecher des NRW-Justizministeriums, erklärte im Gegenzug, dass der Truppenübungsplatz „aus dem laufenden Verfahren ausgeschieden“ sei. 

Fotostrecke: Das Gefängnis in Münster wird geräumt

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