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Mi., 21.09.2016

Frank Behnke inszeniert Hebbels „Nibelungen“ im Großen Haus des Theaters Aus dem Keller der Geschichte

Monströse Helden: Hagen und Volker (v. l. Jonas Riemer und Christoph Rinke) führen nichts Gutes im Schilde.

Monströse Helden: Hagen und Volker (v. l. Jonas Riemer und Christoph Rinke) führen nichts Gutes im Schilde. Foto: Marion Bührle

Münster - 

„Sein“ Blut in Schillers Fiesco wurde Stadtgespräch. Und jetzt macht Frank Behnke Hebbels „Nibelungen“. Der Untergangsmythos endet im Gemetzel. Aber es gibt gute Nachrichten . . .

Von Gerhard H. Kock

„Sein“ Blut in Schillers Fiesco wurde Stadtgespräch. Und jetzt macht Frank Behnke Hebbels „Nibelungen“. Der Untergangsmythos endet im Gemetzel. Zwei gute Nachrichten: Erstens inszeniert der Schauspielchef das Stück fürs Große Haus . . . Und zweitens „nicht wegen des Blutes“. Vielmehr gehe es ihm um einen freien Blick aus heutiger Sicht auf diesen Stoff aus deutscher Feder.

Dieser Klassiker sei „oft missinterpretiert“ worden, „viel braune Soße darüber ausgekippt“ worden. Friedrich Hebbel hat seine drei Abteilungen für zwei Abende konzipiert. Behnke nimmt eine „radikale Konzentration“ vor: Neun Schauspieler agieren drei Stunden (inklusive Pause). „Und das tut dem Stück gut.“

Wie bei einem Shake­speare oder Schiller seien die „Nibelungen“ neben einer Familiensaga auch ein politisches Modellstück über Macht und Machtmissbrauch, ein Stück über „Zombies, die uns aus der Vergangenheit wiederereilen“. Damit meint Behnke den neu aufkommenden Nationalismus in Europa. „Man kann das Stück mit ganz anderen Augen sehen: Man schaut in eine Art frühe Verwandtschaft.“

Ehre, Treue und Verrat spielen plötzlich eine Rolle, politische Eskalationen öffnen die Gewaltspirale. Behnke: „Hebbel ist ein Nihilist; es gibt keine Utopie in dem Stück. Der Regisseur hofft, dass die Besucher „rausgehen und denken: So machen wir es nicht.“

Held Siegfried ist für Behnke ein Liebender, der Grenzen sprengen und menschlich werden will, aber im Mythos gefangen ist. Hagen und Kriemhild stehen dagegen für eine ablehnende Politik Fremden gegenüber. Siegfried, Brunhild oder Etzel kommen schließlich aus den Niederlanden, Island und dem Osten. Frank Behnke lässt Siegfried und Etzels Dienstmann Werbel sowie Brunhild und König Etzel von denselben Darstellern spielen. Behnke: „Bei mir leben die beiden quasi weiter und bekommen dadurch gewissermaßen Gerechtigkeit.“ Entsprechend das Ende: „Ich werde den Zuschauern die Blutorgie nicht vorenthalten, aber: Wir starten in Spielfreude und mit lakonischer Leichtigkeit.“

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Die Premiere ist am Samstag (24. September) um 19.30 Uhr im Theater Münster, Neubrückenstraße 63. Karten: ✆ 590 91 00.

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