Anzeige

Do., 22.09.2016

Uraufführung „Martinus Luther“ von John von Düffel Anfang und Ende eines Mythos

Berühmte Szene: Der junge Martin Luther (Daniel Rothaug) schlägt die 95 Thesen ans Kirchenportal

Berühmte Szene: Der junge Martin Luther (Daniel Rothaug) schlägt die 95 Thesen ans Kirchenportal Foto: Oliver Berg

Münster - 

Die Vorgänger im Geiste (Jan Hus) überlebten ihren freien Geist nicht. Martin Luther hatte Glück. Die Zeit war günstig für reformatorische Ideen. Die Türken standen vor Wien. Nicht alle Fürsten waren dem Kaiser grün. Und dann überlebt der Ratsherren-Sohn und Student der Rechte Blitz und Donner. Das Gewitter wirkte befreiend und weckte den Widerstandsgeist. Der Anfang einer mythischen Person.

Von Gerhard H. Kock

Die Vorgänger im Geiste (Jan Hus) überlebten ihren freien Geist nicht. Martin Luther hatte Glück. Die Zeit war günstig für reformatorische Ideen. Die Türken standen vor Wien. Nicht alle Fürsten waren dem Kaiser grün. Und dann überlebt der Ratsherren-Sohn und Student der Rechte Blitz und Donner. Das Gewitter wirkte befreiend und weckte den Widerstandsgeist. Der Anfang einer mythischen Person. John von Düffel hat diesen „Martinus Luther“ analysiert und ein Stück geschrieben, das Max Claessen am Sonntag im Kleinen Haus des Theaters Münster zur Uraufführung bringt.

In seinem Stück zeichnet von Düffel ein komplexes und überraschendes Bild einer zum nationalen Mythos verklärten Figur: Vom jungen Zweifler, der in wildem Zorn und nach einem Erweckungserlebnis mit sich, Gott und seinem Vater hadert, wird Luther zum kämpferischen Revolutionär und schließlich zum verbitterten, machtversessenen alten Mann.

Claessen: „Düffel zerlegt Luther.“ Ihn erstaune es allerdings auch, dass ein Mann, der die „frohe Botschaft“ des Erlöstseins aller gebracht hat, ein „Mann voller Schuldgefühle“ war und derartige Angst vor der Hölle hatte.

Im ersten Teil wird der junge Luther bis zum Thesenanschlag, nach der Pause der alte Luther dargestellt. Sein Widerpart ist eine Frau, die gleichsam als Teufelin die Zweifel, die Fragen verkörpert. Am Ende ist es unter anderem seine Frau Katharina von Bora, die sich Tiraden eines groben, alten, zynischen Mannes anhören muss, der weiß, was er geleistet hat, und zurückblickt auf sein Verhältnis zu Papst, Bauern und Juden.

Trotzdem bekomme Luther in der Inszenierung „menschliche Wärme“, so Regisseur Claessen, der vor allem die intellektuellen Fähigkeiten des Reformators bewundert. Er nehme ihm einiges übel, aber: „Ich würde ihn immer mit zu mir nach Hause nehmen.“ Gesprochen wird ost-mittelhochdeutsch. Eine Herausforderung für die Schauspieler. Ein gemischter Kirchenchor wird „Klassiker“ der protestantischen Kirchenlieder-Tradition singen („Eine feste Burg ist unser Gott“, „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ oder „Wach auf, wach auf, du deutsches Land“).

Zum Thema

Die Premiere ist ausverkauft. Karten für die zweite Vorstellung am Donnerstag (29. September) um 19.30 Uhr sind an der Theaterkasse ( ✆ 5 90 91 00) erhältlich.

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4320797?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F