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Do., 22.09.2016

abrizio Ventura spricht über die Pläne zum Musikcampus und seine letzte Saison als Generalmusikdirektor „Man muss die Kräfte bündeln“

Fabrizio Ventura bündelt in seiner letzten Saison als Generalmusikdirektor die sinfonischen Energien und präsentiert Klänge aus Italien.

Fabrizio Ventura bündelt in seiner letzten Saison als Generalmusikdirektor die sinfonischen Energien und präsentiert Klänge aus Italien. Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

„Mich überrascht, Ankündigungen für einen Musikcampus zu hören, ohne dass zuvor das Sinfonieorchester Münster um Rat gefragt worden ist.“ Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura macht aus seiner Verwunderung keinen Hehl. Natürlich findet er die Idee einer Zusammenarbeit von Stadt und Hochschule mit dem Bau einer Halle für Kultur und Kongresse „reizvoll“, ohne sich in die derzeitige Standortdebatte einschalten zu wollen – Ventura ist ja nur noch ein Jahr lang Orchester-Chef in Münster und will danach zunächst als Gastdirigent arbeiten. Was ihn allerdings stört ist neben der Tatsache, dass die Pläne scheinbar „aus heiterem Himmel kamen“, auch die Unfähigkeit der an einem solchen Projekt Beteiligten, ihre Kräfte zu bündeln. „Man müsste sich doch zusammensetzen, um brauchbare Konzepte zu entwickeln“, fordert er; alles andere sei „Verschwendung von Energie“.

Von Harald Suerland

In seiner persönlichen Abschiedssaison bündelt Fabrizio Ventura noch einmal alle Energien für ein gewaltiges Konzert im Dom: Dort wird am 6. Mai die gewaltige Totenmesse von Hector Berlioz aufgeführt, und neben diversen Chören vereinen sich dann auch die Orchester von Musikhochschule und Musikschule mit Venturas Ensemble.

Einen Brocken ganz anderer Art schultert das Sinfonieorchester am kommenden Dienstag zum Saisonbeginn: Anton Bruckners Achte. Ventura hegt große Bewunderung für das Werk des Österreichers, der zwar ein literarisch nicht sehr interessierter Mensch, aber ein visionärer Komponist war. Der C-Dur-Jubel im Finalsatz käme zwar „etwas zu kurz“, meint der Dirigent, findet den Schluss aber trotzdem „überwältigend“ und kann gar nicht genug vom langsamen Satz schwärmen: „Das ist so wunderbar, sicherlich angelehnt an das ,Tristan‘-Liebesduett, und es schafft eine magische Atmosphäre, die auch religiös ist.“

C-Dur-Jubel in Überfülle wird am Ende der Saison stehen, in Mahlers siebter Sinfonie – damit schließen sich für Fabrizio Ventura zwei große sinfonische Zyklen seiner GMD-Zeit. Und dazwischen? „Jedes Konzert ist ein Höhepunkt“, antwortet Ventura in ironischer Unbescheidenheit und verweist auf die internationalen Stars, die er wieder als Solisten gewinnen konnte, neben Frank Peter Zimmermann etwa der Geiger Nemanja Radulovic: „Eine Ausstrahlung wie ein Popstar – aber er spielt Beethoven!“

Und dann ist da noch die italienische Linie: Komponisten wie Giovanni Sgambati, Ermanno Wolf-Ferrari oder Giuseppe Martucci stehen für die Heimat des Dirigenten. Und Alfredo Casella mit seiner zweiten Sinfonie. „Gewaltig, strahlend, bombastisch wie gute Filmmusik“ sei das Stück, verspricht Fabrizio Ventura. Und bietet als c-Moll-Werk am Ende schönsten C-Dur-Glanz. 

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